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Made in Austria

12. Februar 2024

Militär-Lkw, produziert in Wien-Liesing, setzen internationale Qualitätsstandards in der Heereslogistik. Dass das Österreichische Bundesheer jetzt im großen Stil auf die vor Ort hergestellten Trucks setzt, freut nicht nur den Hersteller Rheinmetall MAN Military Vehicles.

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(Foto: Österreichisches Bundesheer)

„Mission Vorwärts“

Im Interview mit DIMENSIONS sprechen die österreichische Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und der Rüstungsdirektor des Österreichischen Bundesheers, Generalmajor Harald Vodosek, über geschützte Mobilität und die Modernisierung der österreichischen Streitkräfte.

Rheinmetall MAN Military Vehicles

Das Joint Venture, an dem die Rheinmetall AG mit 51 Prozent und die MAN Truck and Bus SE mit 49 Prozent beteiligt sind, wurde 2010 gegründet. Ihren Hauptsitz hat die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH in München. Die Fahrzeuge produziert das Unternehmen in Wien-Liesing. Weitere Tochtergesellschaften haben ihren Sitz unter anderem in Großbritannien und Australien.

Ob HX, TGS oder TGM – die Lkw aus dem Hause Rheinmetall MAN Military Vehicles gehören in vielen Ländern zur unverzichtbaren Militärausrüstung. Nationen wie Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Schweden und Australien nutzen die sicheren und zuverlässigen Fahrzeuge, die unter anderem in Wien-Liesing produziert werden, für logistische Herausforderungen aller Art. Im vergangenen Jahr gesellte sich auch das Österreichische Bundesheer (ÖBH) auf die Liste der Großkunden.

„Dies ist ein ganz besonders wichtiger Auftrag“, sagt Michael Wittlinger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rheinmetall MAN Military Vehicles. „Nicht nur wegen des Standorts in Wien. Es ist ein klares Bekenntnis der österreichischen Regierung zu der heimischen Industrie!“ Auch für Generalmajor Harald Vodosek, Rüstungsdirektor des ÖBH, gilt: „In Hinsicht auf die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie spielt das Rheinmetall-Werk in Wien-Liesing eine signifikante Rolle. Für das Österreichische Bundesheer ist es von besonderer Bedeutung, sich auf derartige Rüstungsindustrieansiedlungen abstützen zu können.“

Eine enorme Investition

Der Rahmenvertrag zwischen Rheinmetall MAN Military Vehicles und der Österreichischen Bundesbeschaffung GmbH Wien umfasst die Lieferung diverser Logistikfahrzeuge an das ÖBH. Er läuft über sieben Jahre und sieht die Bereitstellung von bis zu 1.675 Fahrzeugen aus den Baureihen HX, TGS und TGM vor. Bereits im Frühjahr 2023 hatte Rheinmetall MAN Military Vehicles alle sechs militärischen Lose einer Ausschreibung von insgesamt 23 Lkw-Losen gewonnen, im vergangenen Dezember kam ein weiteres Los hinzu. Im Hinblick auf die unterschiedlichen technischen Anforderungen der Lose bot das Unternehmen Fahrzeugtypen der Baureihen TGM, TGS und HX in verschiedenen Achskonfigurationen an. Dazu kamen vielfältige Aufbausysteme wie beispielsweise Krane, Pritschen, Kipper, Abrollsysteme, Wechselsysteme und Schneeräumsysteme. Das Auftragsvolumen: bis zu 845 Millionen Euro. „Das ist eine enorme Investition“, erklärt Michael Wittlinger, „vor allem, wenn man bedenkt, dass Österreich eine im Vergleich kleinere Streitmacht besitzt als beispielsweise Deutschland. Die Bedeutung der Logistik zur Erfüllung des militärischen Auftrags betont das Bundesheer jedoch mit Nachdruck.“

Das Produktionswerk in Wien-Liesing gilt als Kompetenzzentrum für die Herstellung von geschützten und ungeschützten logistischen Fahrzeugen wie der HX-Fahrzeugfamilie.

Schon vor 2023 gehörte das ÖBH zu den Kunden von Rheinmetall MAN Military Vehicles, doch mit diesem neuen Rahmenvertrag bekommt die Zusammenarbeit eine neue Dimension. Der Zeitpunkt für die grundlegende Modernisierung der österreichischen Militärlogistik kommt nicht überraschend. „Die Entwicklungen in sicherheits- und verteidigungspolitischer Hinsicht in den letzten Monaten, aber auch Jahren, zeigten zunehmend die Notwendigkeit einer möglichst autarken heimischen Streitkraft. Diese ist idealerweise abgestützt auf potente Partner in der Wirtschaft, um auf die Herausforderungen, die auf Europa in den nächsten Jahren zukommen, passende Antworten zu haben“, sagt Harald Vodosek.

Die Trucks made in Austria sind ein echtes Erfolgsmodell. Seit der Gründung des Joint Ventures zwischen Rheinmetall und dem Lkw-Hersteller MAN setzen viele Nationen auf die vielseitigen Fahrzeuge, die sowohl für logistische als auch taktische Einsatzzwecke in verschiedenartigsten Missionen eingesetzt werden können. Allein von der Baureihe HX sind weltweit mehr als 20.000 Fahrzeuge im Einsatz. Üblicherweise werden in der Praxis die Einzelkomponenten wie Motoren, Achsen oder Verteilergetriebe von MAN an den Produktionsstandort Wien-Liesing geliefert und dort komplett montiert.

Ohne Qualität kein Auftrag

Das Österreichische Bundesheer wird, so wie es in der Ausschreibung gefordert wurde, die Fahrzeuge für verschiedenste Aufgaben einsetzen – dementsprechend vielfältig werden die ausgelieferten Varianten sein. „Diese Varianten gilt es, gemeinsam zu konfigurieren und in gewohnter Qualität an die Soldaten zu übergeben“, so Wittlinger. Aber selbstverständlich ist man in Wien-Liesing gut vorbereitet auf den heimischen Auftrag. Denn eines ist klar: Natürlich ist es für den Staat Österreich wichtig, Arbeitsplätze zu erhalten – doch letztlich gab die Produktqualität den Ausschlag für die Auftragsvergabe. Dass die qualitativ so hochwertigen Trucks auch noch vor der Haustür produziert werden, ist eine Win-win-Situation, die sowohl Rheinmetall MAN als auch das ÖBH zu schätzen wissen.

Der Großauftrag für den Produktionsstandort ist nicht zuletzt auch ein weiterer Motivationsschub für die Mitarbeiter von Rheinmetall MAN Military Vehicles. „Wir verdanken unseren Erfolg vor allem der hervorragenden Teamarbeit aller Beteiligten“, unterstreicht Michael Wittlinger. Bestätigung dafür erhält er von höchster Stelle, denn die österreichische Verteidigungsministerin Klaudia Tanner kam bei ihrem Besuch in Wien-Liesing zum gleichen Fazit: „Ich konnte mir im Rahmen meines Besuches ein äußerst positives Bild von diesem, aus meiner Sicht, in Österreich einzigartigen Kompetenzzentrum für die Herstellung von geschützten und ungeschützten logistischen Militärfahrzeugen machen. Die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen war für mich spürbar.“

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