SicherheitInternationalPolitik

Renaissance der Reserve

24. Juni 2026 - von Jan-Phillipp Weisswange

Ausspähversuche, Drohnenüberflüge, Fake News – der hybride Krieg Russlands gegen den Westen nimmt zu. Im NATO-Bündnisfall muss die Bundeswehr kritische Infrastruktur schützen und Marschrouten der „Drehscheibe Deutschland“ sichern – eine Aufgabe vor allem der Reserve im Heimatschutz.

Heimatschutz und ­Territoriale Reserve

Heimatschutzkräfte und Territoriale Reserve der Bundeswehr bilden einen wesentlichen Baustein der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge. Die Territoriale Reserve vereint die im deutschen Heer zusammengefassten Heimatschutzkräfte sowie die dem Operativen Führungskommando unterstehende Verbindungsorganisation für die Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) der Bundeswehr. 

Die in Berlin stationierte Heimatschutzdivision besteht derzeit aus sechs Heimatschutzregimentern mit insgesamt 60 Kompanien an 42 Standorten:

Das territoriale ZMZ-Netzwerk gliedert sich in 16 Landeskommandos, 34 Bezirksverbindungskommandos (BVK) in den Regierungsbezirken und 414 Kreisverbindungskommandos (KVK) in den Landkreisen und kreisfreien Städten aller Bundesländer.

Die überwiegend aus Reservisten bestehenden Heimatschutzkräfte schützen, was im Verteidigungsfall unverzichtbar ist: Häfen, Flughäfen, Brücken, Bahnlinien, Energieanlagen, digitale Netze. Ihr zweiter Kernauftrag umfasst den sogenannten Host Nation Support: Sie sichern die Bewegungsfreiheit eigener und verbündeter Truppen – einschließlich der Rückführung von Verwundeten, Kriegsgefangenen, beschädigten Gefechtsfahrzeugen und anderem Schad­material. Drohnenabwehr und Katastrophenhilfe runden das Aufgabenspektrum ab.

Rolle rückwärts zur strategischen Reserve

Hinsichtlich ihrer Reserve vollzieht die Bundeswehr damit eine Rolle rückwärts. Im Kalten Krieg verfügte sie neben der Reserve im Feldheer über ein weitgehend aus Reservisten bestehendes Territorialheer für den Schutz rückwärtiger Gebiete. Mit dem Fall der Mauer und dem anschließenden Zusammenbruch der Sowjetunion verloren Landes- und Bündnisverteidigung sukzessiv an Bedeutung. Die zur „Armee im Einsatz“ gewandelte Bundeswehr benötigte nur verhältnismäßig wenige Reservisten – sie füllten vor allem auslandseinsatzbedingte Vakanzen bei der aktiven Truppe. Die alten Heimatschutz-Truppenteile im Heer hatten ausgedient. Ab 2012 entstanden im Organisationsbereich der Streitkräftebasis wieder „Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte“, wenn auch mit deutlich geringerer Personalstärke. Sie ergänzten die Territoriale Reserve, die aus Verbindungskommandos zu Landesregierungen, Bezirks- und Kreisbehörden bestand und vor allem im Katastrophenschutz beriet. Der Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 markierte die Wende: Seitdem stehen die Landes- und Bündnisverteidigung wieder im Fokus der Bundeswehr und damit Aufwuchs- und Durchhaltefähigkeit als eigentliche strategische Rolle einer Reserve.

Aus den regionalen Unterstützungskräften entstanden noch unter der inzwischen aufgelösten Streitkräftebasis Heimatschutzregimenter. Heute unterstehen diese wieder dem Heer. Die im April 2025 aufgestellte Heimatschutzdivision operiert ausschließlich auf deutschem Staatsgebiet. In ihr finden neben „altgedienten Reservisten“ derzeit viele derjenigen Wehrpflichtigen ihre militärische Heimat, die freiwillig zwischen sieben und 23 Monaten dienen. Die Ausbildungskompanien der Heimatschutzregimenter vermitteln ihnen in einer sechsmonatigen Basisausbildung das militärische Handwerk. Dabei gilt der Grundsatz: Rekrutinnen und Rekruten beherrschen alles, was sie zum Überleben auf dem Gefechtsfeld und im Heimatschutz benötigen. Nach ihrem Wehrdienst bleiben sie im Heimatschutz beordert und tragen ihren Teil zur Renaissance der Reserve bei.

Notification Icon

Keine Artikel mehr Verpassen

Klicken Sie hier, um Push-Benachrichtigungen zu empfangen. Durch Ihre Einwilligung erhalten Sie regelmäßige Informationen zu neuen Beiträgen auf der Dimensions-Webseite. Dieser Benachrichtigungsservice kann jederzeit in den Browser-Einstellungen bzw. Einstellungen Ihres Mobilgeräts abbestellt werden. Ihre Einwilligung erstreckt sich ausdrücklich auch auf eine Datenübermittlung in Drittländer. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzinformation unter Ziffer 5.

Artikel teilen