SicherheitWirtschaft

Gelebte Zeitenwende

30. Juni 2026 - von Jan-Phillipp Weisswange


Spatenstich im Februar 2024, Einweihung im August 2025: Nach nur 15 Monaten Bauzeit nahm Rheinmetall in Unterlüß das derzeit größte und modernste Munitionswerk Europas in Betrieb. Das ist in mehrfacher Hinsicht eine gelebte Zeitenwende.

Einer der größten ­Munitionshersteller der westlichen Welt

Das „Werk Niedersachsen“ gehört zu den größten und modernsten Munitionsfertigungsstätten Europas. Rund 300 Millionen Euro investierte Rheinmetall in die Fabrik. Künftig sollen rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt von modernsten Maschinen und Robotik auf einer Fläche von rund 30.000 Quadratmetern jährlich bis zu 350.000 Artilleriegeschosse fertigen. Die Produktion ist schrittweise angelaufen. 2027 soll zudem die Motorenfertigung für Artillerieraketen starten.

Die Versorgung mit Munition ist entscheidend für die Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und seiner europäischen Partnerländer. Rheinmetall übernimmt hier als führender Hersteller Verantwortung und tätigt großvolu­mige Investitionen. Zuletzt hatte der Konzern im Sommer 2023 rund 1,2 Milliarden Euro für den Erwerb des spanischen Herstellers Expal Systems aufgewandt. In seinem Produktionsnetzwerk, zu dem auch Standorte in Spanien und Südafrika gehören, will Rheinmetall ab 2027 jährlich insgesamt rund 1,1 Millio­nen Schuss Artilleriegranaten herstellen. Damit zählt Rheinmetall zu den größten Munitionsherstellern der westlichen Welt.

Massenproduktion statt Manufaktur, Monate statt Jahre – Europa und die NATO benötigen Munition, und dies schnell. In Rekordzeit errichtete Rheinmetall mit Unterstützung der zuständigen Behörden das neue „Werk Niedersachsen“ am Traditionsstandort Unterlüß in der Lüneburger Heide. „Wir haben in einem neuen Rheinmetall-Tempo die Möglichkeit geschaffen, den Bedarf der Bundeswehr künftig unabhängig aus nationaler Fertigung zu decken und bei Bedarf auch eigenständige Abgaben an Partnerstaaten gewährleisten zu können“, betont Rheinmetall-CEO Armin Papperger. „Das ist gelebte Zeitenwende.“

Von den gewandelten Zeiten zeugte ebenfalls die internationale Gästeliste. Zur Werkseröffnung in Unterlüß reisten zahlreiche Vertreter aus Politik und Militär an: Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, General Carsten Breuer, der Generalinspekteur der Bundeswehr, Olaf Lies, der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen – und als höchstrangiger Gast Bulgariens Präsident Rumen Radew.

„Wir investieren hier in unsere Sicherheit“, ­betonte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in seiner Rede zur Eröffnung. „Dieses Werk zeigt, wir handeln.“ Bundesverteidigungsminister ­Boris Pistorius richtete seine Worte an Rheinmetall und die Verteidigungsindustrie insgesamt: „Sie, die Industrie, liefern das, was zählt: Geschwindigkeit und Substanz.“ NATO-Generalsekretär Mark Rutte hob in seiner Rede hervor: „Strong and successful is exactly what ­Rheinmetall is“ – stark und erfolgreich sei genau das, was Rheinmetall ist.

Auch international steht das Unternehmen als Partner bereit. „Rheinmetall beschränkt sich beim Bau solcher Werke nicht nur auf Deutschland“, unterstrich Armin Papperger. „So können wir auch in anderen NATO-Nationen vergleichbare Anlagen innerhalb kürzester Zeit errichten und somit ein paneuropäisches Defence Ecosystem schaffen.“

Wie dringend das atlantische Verteidigungsbündnis Munition benötigt, kam noch vor dem eigentlichen Festakt zum Ausdruck. So erteilte das NATO-Land Rumänien Rheinmetall einen Großauftrag über eine Munitionsfertigung. Radu-Dinel Miruță, der Wirtschaftsminister Rumäniens, und Armin Papperger unterzeichneten vor Ort eine entsprechende Absichtserklärung. Der Düsseldorfer Konzern will für das neue Werk in Rumänien gemeinsam mit Partnern rund 550 Millionen Euro investieren. In Ungarn, ­Litauen, Lettland und Großbritannien sind ebenfalls konkrete Projekte aufgesetzt. Weitere werden folgen.

Bildergalerie

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In der Schmiede bestücken Roboter die Paletten mit den Geschossen.
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Das Ausformen der Geschossspitzen erfolgt durch induktive Wärmebehandlung und Pressen.
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Derzeit erfolgt das Versiegeln der Geschosse noch von Hand.
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Die fertig lackierten und bedruckten Hülsen gehen zum Verpacken.

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