MenschenBeyond

Purpose statt ­Jetset

16. Februar 2024

Bereits in jungen Jahren beweist Frank Pape in der boomenden Callcenter-Branche Unternehmergeist. Es folgt eine steile Beraterkarriere in Regierungskreisen und Konzernvorständen. Heute begleitet der Jetsetter von damals ehrenamtlich auf seinem Reiterhof Sterbende und Menschen in Not. Finanziert wird das private Hospiz über die Familienrösterei und Chocolaterie Pape, zu deren Kunden auch Rheinmetall zählt.

(Foto: Nicole Pape)

Frank Pape,

Jahrgang 1970, ist Sozialaktivist, Unternehmer und Autor. Sein Buch „Gott, du kannst ein Arsch sein“ schaffte es in die Spiegel-Bestsellerliste und wurde mit Til Schweiger und Heike Makatsch in den Hauptrollen verfilmt. In seiner Biografie „Ich mit Risiken und Nebenwirkungen“ gibt Frank Pape einen privaten Einblick in die Achterbahn seines außergewöhnlichen Lebens. Der fünffache Vater lebt und arbeitet mit seiner Familie in Preußisch Oldendorf.

Als Frank Papes Tochter Mary mit 15 Jahren die Diagnose Lungenkrebs erhält und ihr nur noch wenig Zeit zum Leben bleibt, beginnt sie, darüber zu schreiben. Auf ihren Wunsch hin veröffentlicht ihr Vater die bewegende Geschichte ihrer letzten 296 Tage als Buch. Das Echo auf den Roman und seine spätere Verfilmung sind enorm. In der Folgezeit wenden sich viele Menschen hilfesuchend an Frank Pape und seine Frau Nicole. „Meist sind es Sterbende, Missbrauchsopfer oder Trauernde, die mit ihrer Angst, ihrem Schmerz oder in ihrer Zeit, die sie noch haben, wie unsere Tochter liebevoll und mit einem Lächeln begleitet werden möchten“, berichtet der ausgebildete Seelsorger und Unternehmer.

Frank Pape gründet ein Hospiz. Auf seinem Reiterhof in Getmold finden schwerkranke oder traumatisierte Menschen fortan einen Rückzugsort. Mit viel Empathie, Hingabe und Mut teilt der überzeugte Christ dort mit seinen Gästen die schwersten Stunden ihres Lebens. Lacht, weint und leidet mit ihnen. Als er und seine Frau ihr soziales Engagement nicht mehr aus eigener Tasche finanzieren können, machen sie aus ihrer Passion für Kaffee und Schokolade eine Geschäftsidee: die „Familienrösterei Pape“.

Der ehemalige Strategieberater wird zum ausgebildeten Konditormeister und Chocolatier. Der Großteil des Gewinns fließt in „Ein Lächeln für dich“, wie der gemeinnützige Verein der Papes heißt. Das Ehepaar betreibt erfolgreich Marketing, kann Wirtschaftsunternehmen wie Rheinmetall gewinnen, ihren Kaffee für den guten Zweck und in bester Fairtrade-Qualität von der Familienrösterei zu beziehen. „Die Geschichte von Frank Pape hat uns tief bewegt“, sagt Philipp von Brandenstein, der beim Rüstungs- und Technologiekonzern Rheinmetall die Unternehmenskommunikation verantwortet. „Was das Hospiz menschlich und gesellschaftlich leistet, verdient höchsten Respekt und unsere Unterstützung.“

Purpose statt Profit. Das ist es, was den heute 53-jährigen Pape umtreibt. Und mit dieser Haltung steht er nicht alleine da. Ganze Generationen möchten inzwischen nicht nur Geld verdienen, sondern eine Arbeit verrichten, die der Gesellschaft nutzt, sie besser und gerechter macht. Früher sei das bei ihm anders gewesen, sagt Pape. Mit 23 Jahren gründet er eines der ersten Callcenter in Deutschland. Sein Startup expandiert schnell. Neben Banken und Versicherungen gehören schon bald Mobilfunkgesellschaften zu seinen Kunden. Der Markt boomt. Callcenter werden zur neuen Marketingwaffe in der Neukundengewinnung. Und Frank Pape entwickelt dafür die Strategien. Seine anschließende Karriere als Berater führt ihn in hohe politische und wirtschaftliche Kreise. Er arbeitet zunächst im Beraterstab der Regierung von Malta. Später ist er bei HSBC, einem der größten Finanzinstitute der Welt, als Vorstandsberater tätig.

Die Tage des Top-Managers sind bestimmt durch Marketing- und Absatzstrategien, Krisenmeetings und Geschäftsabschlüsse. Er fliegt zum Frühstück nach Paris, isst nach einem Meeting in London zu Mittag und genießt am Abend die untergehende Sonne am Meer. „Ich hatte ein Jetset-Leben“, blickt Frank Pape auf die damalige Zeit zurück.

Doch irgendwann stellt er sich die Sinnfrage. Er gründet sein eigenes Strategieberatungsunternehmen, zieht aufs Land, lässt sich zum Notfallseelsorger ausbilden und engagiert sich in der Sterbebegleitung. „Die Sozialarbeit gab mir das Gefühl, etwas Gutes zu tun“, erzählt Pape. Seit dem Tod seiner Tochter ist sie zu seiner Lebensaufgabe geworden. Neben seinem Hospiz ist er in der Jugend- und Präventionsarbeit tätig, hilft Mobbingopfern und sensibilisiert für die Gefahren des Drogenkonsums. „In ihren letzten Tagen betonte meine Tochter, wie wichtig es sei, jedem Tag einen Sinn zu geben“, erinnert sich Pape. „Und ja, sie hatte recht.“

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