SicherheitWirtschaft

Vom Underdog zum Investmentstar

29. Juni 2026 - von Richard Schramm

Lange trieb die sicherheitspolitische Zeitenwende Rüstungsaktien von einem Rekordhoch zum nächsten. Auf die Euphorie folgt die Konsolidierung. Nun müssen Verteidigungsunternehmen ihre ambitionierten Wachstumsziele profitabel realisieren. Bei Rheinmetall läuft die Bewährungsprobe auf Hochtouren.

Die politischen Entscheidungen, die westeuropäische Staaten – allen voran Deutschland – nach dem Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes hinsichtlich ihrer militärischen Fähigkeiten getroffen hatten, erwiesen sich als gravierende Fehler. Das führte Russlands Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 schmerzlich vor Augen. Die Konsequenz: eine radikale Kehrtwende in der westlichen Verteidigungspolitik.

Wie üblich reagierten Investoren sehr schnell auf diesen Paradigmenwechsel. Fristete die Rüstungsindustrie wegen magerer Wachstumsperspektiven bis dato an der Börse ein Schattendasein, avancierte sie binnen kurzer Zeit zu einem der gefragtesten Investments. Auch in puncto Nachhaltigkeit und ESG – Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – wird die Branche inzwischen wohlwollender betrachtet. Dies löste in Summe einen globalen Run auf Aktien der Verteidigungsbranche aus, der ihre Kurse und Bewertungen in bisher ungeahnte Dimensionen katapultierte.

Korrektur nach dem Höhenflug

Aber auch an der Börse wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Irgendwann sind selbst die optimistischsten Erwartungen eingepreist. Dieser Punkt scheint erreicht. Fast alle Aktien des Sektors haben seit ihren Höchstkursen an Boden verloren – manche sogar recht deutlich.

Dass die hohen Wachstumserwartungen an die Rüstungsindustrie auf einer soliden Basis stehen, ist unumstritten: Europas NATO-Staaten verzeichnen erhebliche Fähigkeitslücken. Zugleich existiert ein breiter politischer Konsens, die Verteidigungsausgaben deutlich zu steigern. Die NATO hat ihre Zielvorgabe für Mitgliedsstaaten auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis 2035 nahezu verdoppelt. Hinzu kommen 1,5 Prozent für relevante Infrastruktur. Die deutsche Bundesregierung will die Quote von 3,5 Prozent bereits bis 2029 erreichen, was angesichts des beschlossenen „Sondervermögens“ von 500 Milliarden Euro realistisch erscheint. Auch außerhalb Europas planen zahlreiche Staaten Aufstockungen. Das Nachfragepotenzial für die Branche hat sich vervielfacht.

Jetzt heißt es liefern

Angesicht der kritischen Sicherheitslage fordern Politiker und Militärs von ihren Wehrtechnik­lieferanten derzeit alles zugleich, und das sofort. Der Druck auf die Verteidigungsunternehmen hinsichtlich Volumina und Lieferterminen ist enorm und wird sich in den kommenden Jahren nicht ändern. Die deutlich steigenden Auftragsbestände belegen dies: Beispielsweise erwartet Rheinmetall bis Ende 2026 ein Auftragspolster von rund 135 Milliarden Euro, was einem Zehnfachen des prognostizierten Jahresumsatzes entspricht.

Oberste Priorität hat daher der Kapazitätsausbau: durch zusätzliche Produktionslinien, höhere Effizienz und mehr Automatisierung. Entsprechend forcieren die Unternehmen eine ganze Reihe von Investitionsprojekten an ihren in- und ausländischen Standorten. Rheinmetall agiert hier besonders aktiv, nicht zuletzt über Joint Ventures, Beteiligungen und Übernahmen. Diese erschließen dem Konzern neben zusätzlichen Kapazitäten auch neue Märkte wie Marine und Satelliten sowie wichtiges Know-how in der Digitalisierung.

Profitabilität im Fokus

Ebenso wichtig wird sein, das Volumenwachstum der kommenden Jahre profitabel zu gestalten. Investoren werden diesen Aspekt mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Ihre Erwartung ist klar: Das Umsatzwachstum soll mit höherer Profitabilität korrelieren. Die Realisierung von Skaleneffekten und die Vermeidung von – auch nur temporärem – Margendruck, etwa durch Großinvestitionen oder Übernahmen, ist daher die zweite bedeutende Herausforderung für Verteidigungsunternehmen. Nur so können sie ihre aktuell hohen Bewertungsmaßstäbe rechtfertigen und Chancen für neue Kursphantasien eröffnen. Mit seinen ambitionierten, aber fundierten Wachstumszielen nimmt Rheinmetall diese Herausforderungen an. Bis 2030 will der Düsseldorfer Konzern seinen Umsatz gegenüber 2024 auf rund 50 Milliarden Euro verfünffachen bei einer EBIT-Rendite von über 20 Prozent.

Weitere Informationen und Kennzahlen rund um die Rheinmetall-Aktie finden Sie auf unserer Unternehmenswebsite unter Investor Relations.

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