In Deutschland gilt Wasserball als Randsportart. Zu Unrecht, wie der SV Blau-Weiß Bochum 1896 beweist. Der traditionsreiche Bundesligist setzt Maßstäbe – sportlich, gesellschaftlich und für junge Menschen, die hier eine neue Heimat finden. Seit 2025 unterstützt Rheinmetall den Verein auf diesem Weg.
Mit 15 Jahren floh Emiliia Khmil gemeinsam mit ihrer Mutter aus der Ukraine. Beim SV Blau-Weiß Bochum hat das Ausnahme-Talent eine sportliche Heimat gefunden.
Mit 15 Jahren floh Emiliia Khmil gemeinsam mit ihrer Mutter aus der Ukraine. „Beide hatten nur eine Plastiktüte mit Klamotten in der Hand“, erinnert sich Frank Lerner, Wasserballwart des SV Blau-Weiß Bochum und Leiter des Landesleistungsstützpunktes Nordrhein-Westfalen. „Das war alles, was ihnen nach den Bombenangriffen geblieben war.“ Wie Emiliia hat der Wassersportverein seit Beginn des Krieges viele ukrainische Kinder aufgenommen und ihren Familien bei Behördengängen geholfen. Inzwischen ist das sportliche Ausnahme-Talent 19 Jahre alt, deutsche Staatsbürgerin, Gymnasiastin mit Einser-Durchschnitt und Torschützenkönigin der ersten Bundesliga. Nicht nur beim SV Blau-Weiß Bochum, sondern auch in der Nationalmannschaft ist sie längst zu einer der Schlüsselspielerin herangewachsen. „Eine unglaubliche Karriere,“ staunt Lerner, „und ein Paradebeispiel, wie Sport echte Heimat schafft.“
Eine unterschätzte Sportart
Teamspirit, Strategie und körperliche Ausdauer – all das vereint Wasserball. Was in Deutschland eher als Nischensportart gilt, löst in anderen Ländern breite Begeisterung aus. „In Ungarn kommen selbst zu Trainingsspielen 5.000 bis 6.000 Zuschauer“, erzählt Frank Lerner, der seit seinem achten Lebensjahr Wasserball spielt. Aktuell fungiert der ehemalige Bundesligaspieler als Interims-Trainer für die Damen-Bundesligamannschaft des SV Blau-Weiß Bochum. Für den Sport müssen die Athletinnen eine ganze Menge mitbringen – aber genau das macht ihn aus Sicht von Lerner auch so interessant. „Wasserball ist wie Ringkampf im Wasser mit moderaten Regeln,“ so sein Fazit. Neben Kondition und Kraft spielen Taktik, Ballgefühl und eine gehörige Portion Leidensfähigkeit eine wichtige Rolle.
Kondition, Kraft und Köpfchen: Wasserball verlangt den Teams alles ab.
Das körperbetonte Spiel baut neben Taktik und Strategie auf Schwimm- und Fitnesstraining auf. (Fotos: ccframeworkx.vsn | Christoph Ceglarski)
Partner für regionalen Spitzensport
Zu den prominenten Förderern des körperbetonten Mannschaftssports gehört seit vergangenem Jahr auch Rheinmetall. Der in Düsseldorf ansässige Technologiekonzern engagiert sich in vielfacher Weise im Spitzensport der Metropolregion Rhein-Ruhr. Die Partnerschaft mit dem SV Blau-Weiß Bochum 1896 entstand etwa zur gleichen Zeit, als Rheinmetall ins Marinegeschäft einstieg. Zwar unabhängig davon, aber es fügt sich gut ins Bild. Der Bochumer Klub zählt zu den größten und traditionsreichsten Wassersport-Vereinen Deutschlands. Er ist nicht nur in allen Jugendligen auf Bundesebene vertreten, sondern feierte 2026 mit seiner ersten Damenmannschaft zum zweiten Mal in Folge die Vizemeisterschaft. Die Partnerschaft mit Rheinmetall hilft, die sportliche Entwicklung des Frauen-Teams weiter voranzutreiben – sei es in der Bundesliga oder bei internationalen Wettkämpfen. Hinsichtlich des neuen Sponsors setzte der Verein von Anfang an auf eine offene Kommunikation. Auf den Social-Media-Kanälen waren infolgedessen nur wenige kritische Stimmen zur Partnerschaft mit dem Verteidigungsunternehmen zu lesen. „Damals wie heute ist die Zusammenarbeit von beiderseitigem Vertrauen geprägt“, sagt Lerner.
Ihr Bundesligadebüt gab Jana Stüwe bereits als Jugendliche. Heute gehört die Kapitänin des SV Blau-Weiß Bochum zu den erfolgreichsten Spielerinnen Deutschlands und gilt als feste Größe im Kader der Nationalmannschaft. Neben dem Leistungssport studiert die 23-Jährige Lehramt an der TU Dortmund. (Foto: Ruhrpottsportfoto | Bastian Lende)
Nachwuchsförderung mit Zukunft
Wasserball ist in Deutschland chronisch unterfinanziert. Um den Trainings- und Spielbetrieb langfristig zu sichern, sind die Vereine auf Spenden- und Sponsorengelder angewiesen. Dass diese im Fall des SV Blau-Weiß Bochum bestens investiert sind, zeigt die erfolgreiche Nachwuchsförderung des Bundesligisten und seine Verpflichtung internationaler Spielerinnen. Bereits als Jugendliche gab die Kapitänin der ersten Damenmannschaft Jana Stüwe ihr Bundesligadebüt beim Bochumer Verein. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten Spielerinnen Deutschlands und trägt wie Emiliia Khmil das Nationaltrikot.
„Seit zwei Jahren nimmt unsere Damenmannschaft wieder regelmäßig an internationalen Turnieren wie der Europa-Liga teil“, berichtet Lerner. Auf diesem Wege hat sich der Klub mittlerweile auch außerhalb von Deutschland einen Namen gemacht. „Wir erhalten Anfragen aus aller Welt“, freut sich der Wasserballwart. Mehrere Spielerinnen aus dem Ausland verstärken seit der vergangenen Saison das Team. Dass sie sich in Bochum von Anfang an wohl und wertgeschätzt fühlen, liegt nicht zuletzt an der Vereins-WG, in der die jungen Frauen zusammen wohnen. „Wir haben den Mädchen gegenüber eine große Verantwortung“, stellt Lerner klar. Der Verein begleitet sie deshalb auch abseits des Sports: Er organisiert Sprachkurse und unterstützt sie bei der Suche nach einem Studienplatz an einer der nahe gelegenen Universitäten oder dualen Hochschulen.
Ein Modell, das trägt
Reise- und Wettkampfkosten, Bekleidung und Ausrüstung oder andere, spontan benötigte Ressourcen – all dies wird größtenteils über den eigenen Förderverein Wasserball-Spitzensport in Bochum e. V. finanziert, der sämtliche Spenden- und Sponsorengelder des Bundesligisten verwaltet. Gleichzeitig beschäftigt der Klub die Spitzensportlerinnen auf Minijob-Basis als Trainerinnen für den Leistungsnachwuchs. Sie erwerben dafür mindestens eine C-Lizenz. „Dank der finanziellen Aufwandsentschädigung können sich die Bundesligaspielerinnen neben Schule und Studium voll auf ihre sportliche Karriere konzentrieren“, erklärt Lerner. „Und wir haben motivierte, gut ausgebildete Übungsleiterinnen für die Jüngeren.“ Denn der Rückgang des Ehrenamts macht sich auch im Wasserball stark bemerkbar – qualifizierte Coaches zu finden, wird immer schwieriger. Die derzeit diskutierte Aufhebung des Sonderstatus geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse könnte für Vereine wie den SV Blau-Weiß Bochum weitere Herausforderungen mit sich bringen, sagt der Wasserballwart.
(Foto: Ruhrpottsportfoto | Bastian Lende)
(Foto: SV Blau Weiß Bochum 1896 e.V.)
Ohne Sponsoren wie Rheinmetall wäre all das finanziell nicht zu stemmen. Im Gegenzug ist der Verteidigungskonzern bei Bundesliga-Heimspielen präsent: auf Werbebannern, in Videoclips, auf den Trikots. Das Sponsoring schafft Sichtbarkeit im Breitensport und positioniert Rheinmetall als attraktiven Arbeitgeber, der gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und junge Talente fördert. Für den SV Blau-Weiß Bochum bedeutet die Partnerschaft Planungssicherheit. Und für die nächste Generation? Im Schwimmbad in Bochum trainiert bereits mehrmals in der Woche der Leistungsnachwuchs. Vielleicht werden manche von ihnen eines Tages wie Jana Stüwe und Emilia Khmil das Nationaltrikot tragen.
Mehr Informationen zum gesellschaftlichen Engagement von Rheinmetall sind hier zu finden.
Weltweit steht der Oktober im Zeichen der Brustkrebsprävention. In diesem Jahr beteiligt sich Rheinmetall erstmals offiziell an der internationalen Aufklärungskampagne. Die beiden Mitarbeiterinnen Eva-Maria Villnow und Julia Stump erzählen, wie die Diagnose ihr Leben schlagartig veränderte. Ein Gespräch über Angst, Stärke und die Schönheit der Narben.
Pink tragen, Wissen teilen, Leben retten
Statistisch gesehen erkrankt jede achte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Wird er früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen. Der internationale Aktionsmonat Pinktober will das Thema Brustkrebs und die Bedeutung der Vorsorge stärker in den öffentlichen Fokus rücken. Die Aktionen informieren über Prävention, bekunden Solidarität mit den Betroffen und machen auf Angebote und Therapien aufmerksam.
Ihr habt Operation, Chemotherapie und Bestrahlung überstanden. Heute seid ihr beide krebsfrei. Die unmittelbaren körperlichen Belastungen gehören der Vergangenheit an. Doch wie geht ihr mit dem psychischen Druck und der bangen Frage um: Was geht in meinem Körper vor?
Julia Stump: Diese Frage wird man nicht los. Die physischen Strapazen liegt irgendwann hinter einem, die Haare wachsen nach, man sieht wieder normal aus und fühlt sich auch so. Aber die Unsicherheit bleibt: Was passiert gerade in meinem Körper? Eine Gewissheit werde ich für den Rest meines Lebens nicht haben. Diese gibt es aber grundsätzlich für niemanden von uns, auch ohne vorherige Krebserkrankung.
Eva-Maria Villnow: Ich hätte mir nie vorstellen können, durch welche Phasen man geht. Nach dem ersten Schock kommt der Überlebensmodus. Ich musste akzeptieren, dass man sich in einer völlig neuen Welt wiederfindet, sich neu orientieren und kämpfen muss. Erst einmal ging es darum, das erste Jahr zu überstehen. Danach beginnt eine Art Trauerbewältigung: die Akzeptanz der Erkrankung, des Kontrollverlusts und auch der Tatsache, dass das Vertrauen in den eigenen Körper nicht einfach mit dem Ende der Behandlung zurückkehrt. Was ich gelernt habe, ist genauer hinzuhören, ohne jedes Signal meines Körpers sofort als Bedrohung zu verstehen. Niemand kann dankbar für solch eine Erkrankung sein. Und doch spüre ich Dankbarkeit für jeden neuen Tag. Ich gehe anders ins Erleben, bewusster und mit einer noch größeren Wertschätzung für das, was da ist.
Dankbarkeit ist nicht unbedingt ein Wort, das sich im Zusammenhang mit Krebs sofort aufdrängt.
Julia Stump: Ich unterschreibe alles, was du gesagt hast. Jeder kennt das glaube ich: Rückschläge passieren. Man fällt hin, steht auf, richtet die Krone und macht weiter. Doch plötzlich ist man vollkommen fremdgesteuert, abhängig davon, dass Ärzte die richtigen Entscheidungen treffen und die Therapie anschlägt. Man erkennt, wie wenig man oft wirklich selbst in der Hand hat. Durch die Erkrankung hat sich mein Blick für die wichtigen Dinge im Leben deutlich geschärft. Dafür bin ich dankbar, und für mein Leben 2.0.
(Foto: iStock | Marco Montalti)
Narben aus Gold
Bruchstellen nicht kaschieren, sondern vergolden: Die japanische Reparaturkunst Kintsugi fügt zerbrochene Keramik mit Goldlack zusammen. Für Eva-Maria Villnow und Julia Stump ist das eine Metapher für das Leben. Die Risse gehören zur eigenen Geschichte. Sie sind Ausdruck von Stärke und Schwäche und zeigen die Schönheit des Unvollkommenen.
Inwiefern hat sich die Erkrankung auf eure Lebenseinstellung ausgewirkt?
Eva-Maria Villnow: Ich versuche das Leben so zu nehmen, wie es ist. Mit allem, was dazugehört – auch mit den Bruchstellen. In Japan gibt es die Kunst des Kintsugi. Statt zerbrochene Keramik wegzuwerfen, werden die einzelnen Stücke wieder zusammengesetzt und die Fugen ästhetisch mit Gold hervorgehoben. Die Reparatur macht das Zerbrochene nicht ungeschehen, verleiht ihm aber eine neue Bedeutung und eine ganz eigene Schönheit. Mit dieser Haltung betrachte ich mein Leben. Die Erkrankung gehört zu meiner Geschichte. Auch wenn ich sie nicht als Geschenk bezeichnen würde, hat sie Spuren hinterlassen und meinen Blick auf das Leben verändert. Ich versuche nicht, gegen diese Unvollkommenheit anzukämpfen, sondern auch das Schöne und Wertvolle darin zu sehen. Besonders dort, wo das Leben nicht so verlief, wie ich es mir vorgestellt habe.
Julia Stump: Unsere Risse und Brüche gehören zu uns und dürfen sichtbar sein. Der Schock der Diagnose saß tief, aber meine lebensbejahende Einstellung war entscheidend, um gut durch die Behandlung zu kommen. Mein Mann und meine Kinder waren dabei gleichermaßen meine größte Stütze und mein größter Antrieb.
Habt ihr eine andere Sicht auf euer Arbeitsleben gewonnen?
Eva-Maria Villnow: Ja, ich bin dankbar, in einem Team zu arbeiten, das in schwierigen Zeiten füreinander da ist und sich gegenseitig stärkt. Diese Verbundenheit gibt mir sehr viel. Und ich sehe heute klarer, was Arbeit mir bedeutet und wie wichtig mir Sinnhaftigkeit ist. Ich möchte etwas bewirken, etwas zurückgeben und wo könnte das besser gelingen als im Betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Wie ist dein Team mit der Diagnose umgegangen? Wie hat deine Führungskraft reagiert?
Julia Stump: Ich hatte von Anfang an den Wunsch, weiterzuarbeiten und das habe ich tatsächlich auch geschafft. Meine Führungskraft und auch meine Kollegen und Kolleginnen standen immer hinter mir. Die Arbeit hat mir sehr viel Halt und Struktur gegeben und auch eine Sinnhaftigkeit.
Julia Stump und Eva-Maria Villnow sind heute krebsfrei. Ihr Rat an andere Frauen: Geht regelmäßig zu Vorsorge.
Nichts mehr aufschieben und den Moment genießen. Für beide Frauen hat die Erkrankung den Blick aufs Leben verändert.
Hattet ihr das Gefühl, dass Menschen unsicher reagieren? Ist Brustkrebs aus eurer Sicht noch immer mit Scham oder Berührungsängsten verbunden?
Julia Stump: Ja, für viele ist das Thema immer noch ein Tabu. Wer andere mit der Erkrankung konfrontiert, löst viel aus. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Menschen, die mir nah stehen, zum Weinen gebracht. Für mich war es kein Tabu, darüber zu sprechen, im Gegenteil: Der offene Umgang hat mir sehr geholfen. Trotzdem ist Krebs noch immer mit Scham behaftet. Das finde ich völlig unverständlich.
Julia Stump
45, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und voller kölschem Lebensmut. Als sie 2025 die Diagnose erhielt, war sie erst wenige Monate zuvor ins Nachhaltigkeitsteam von Rheinmetall gewechselt. Nach Chemotherapie, Operation und Bestrahlung ist sie heute krebsfrei, muss sich aber regelmäßig Nachsorgeuntersuchungen unterziehen. Julia Stump schaut mit einer positiven Einstellung nach vorn. Kraft findet sie bei ihrer Familie und Freunden.
Eva-Maria Villnow
arbeitet seit 14 Jahren bei Rheinmetall Electronics in Bremen. 2021 erkrankte sie an Brustkrebs. Nach Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und weiterer Therapie ist sie heute tumorfrei und weiterhin in regelmäßiger Nachsorge. Kraft schöpft sie aus der Nähe zu ihren beiden Töchtern und engen Freundinnen sowie aus der Verbundenheit mit der Natur. Die Erfahrungen mit ihrer Erkrankung haben ihren Blick dafür geschärft, wie wichtig menschliche Nähe, Zugehörigkeit und Unterstützung in schwierigen Lebensphasen sind.
Was hat dich durch diese Zeit der Unsicherheit getragen und dir geholfen, mit der Angst, es nicht zu schaffen, zurechtzukommen?
Eva-Maria Villnow: Bei mir waren das vor allem meine Töchter, meine Freundinnen, mein Hund und die Natur. Geblieben ist bis heute der Wunsch, jeden Tag neue Momente zu schaffen, in denen ich mich lebendig fühle: zu reisen, Menschen zu begegnen, Sprachen zu lernen und immer wieder Neues zu entdecken. Alles, was mich mit dem Leben und den Menschen um mich herum verbindet.
Welche Unterstützung habt bei Rheinmetall gefunden? Gab es für euch ein Netzwerk oder konkrete Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im Unternehmen?
Julia Stump: Neben meiner Führungskraft, die mich sehr empathisch begleitet hat, war der Viva Familienservice eine wichtige Anlaufstelle. Dort gibt es Hilfe in vielen Lebenslagen, etwa bei Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder einer Krebserkrankung. Auch das Angebot, sich an die betrieblichen Sozialberater zu wenden, habe ich als sehr positiv erlebt.
Viele schweigen aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Wie findet man die richtigen Worte?
Eva-Maria Villnow: Wenn wir einem Menschen mit einer Krebserkrankung begegnen, spüren wir manchmal auch unserer eigene Unsicherheit. Im Umgang mit schweren Erkrankungen und dem Sterben sind wir häufig nicht geübt. Manche halten das nicht aus und ziehen sich zurück. Umso wichtiger sind die, die bleiben. Niemand muss die perfekten Worte finden. Aufeinander zuzugehen, ist ein guter Anfang. Sei mutig, klopf an und sag: „Ich bin da.“
Julia Stump: Eine Freundin hat mir an jedem Tag meiner Chemotherapie kurze aufmunternde Nachrichten auf einen pinken Zettel geschrieben und mir davon ein Foto geschickt. Für Außenstehende sind das nur kleine Aufmerksamkeiten, für Betroffene bedeuten sie die Welt. Fragt einfach nach: Was brauchst du? Was kann ich tun? Und wenn Worte fehlen, bringt eine Lasagne vorbei.
Ihr hattet Angst um euer Leben und habt euch Sorgen gemacht, wie es mit euren Familien weitergeht. Wie habt ihr es geschafft, dass diese Angst nicht die Oberhand gewinnt?
Julia Stump: Selbstverständlich hatte ich Angst um mein Leben. Aber noch viel größer war die Angst um meine Kinder. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, in jungen Jahren einen Elternteil zu verlieren. Aufgeben war daher nie eine Option. Nach meiner Diagnose bin ich direkt in den Kampfmodus gewechselt. Der größte Feind ist das eigene Kopfkino. Deshalb ist es so wichtig, die Gedankenspiralen zu durchbrechen.
Eva-Maria Villnow: Ich bin nicht stärker als andere. Ich habe nur einen Weg gefunden, mit der Erkrankung umzugehen und das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Ich freue mich über jeden neuen Tag. Sich dem Leben mutig zu stellen, bedeutet eben auch, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen – dem eigenen oder dem anderer Menschen. Das kann schmerzhaft oder beängstigend sein. Und manchmal schafft man das nicht allein. Dann ist es wichtig, die Hilfsangebote anzunehmen, die es gibt.
Ihr habt beide Extremsituationen erlebt, die euch verändert und eure Stärken noch deutlicher hervorgebracht haben. Welche Lehren zieht ihr daraus – auch für Menschen, die nicht erkrankt sind? Habt ihr alltagstaugliche Tipps?
Julia Stump: Das Leben ist zu kurz, um keine Freude daran zu haben. Ich genieße es jeden Tag und schiebe nichts mehr auf. Einfach mal machen, es könnte gut werden. Außerdem rate ich immer: Hör auf dein Bauchgefühl. Wenn du spürst, dass etwas nicht stimmt, lass dich nicht abwimmeln und geh zur Vorsorge.
Eva-Maria Villnow: Als die Kräfte wiederkamen, habe ich nichts ausgelassen und wollte so viel wie möglich erleben. Heute bin ich wählerischer und klarer in dem, was ich in meinem Leben haben möchte und was nicht. Ich entscheide schneller, bin spontaner und in vielem gelassener. Genießt das, was gerade da ist. Nicht erst irgendwann, wenn vermeintlich alles passt. Der Blick darauf ändert sich, wenn plötzlich eine Diagnose im Raum steht. Sorgt gut für euch und geht zu den Vorsorgeuntersuchungen! Vieles im Leben haben wir nicht in der Hand, aber wir können beeinflussen, wie wir damit umgehen. Und vergesst nicht: Es gibt viele Wege, einem Menschen zu zeigen, dass er wichtig ist. Am Ende erinnern wir uns nicht an jedes Wort. Aber daran, wer geblieben ist.
Auf der weltgrößten Computerspielmesse Gamescom werben Bundeswehr, BND und Verteidigungsunternehmen wie Rheinmetall um digitalaffine Fachkräfte. Doch nicht nur im Recruiting haben Computer- und Videospiele inzwischen eine große Relevanz für die moderne Kriegsführung.
Perfect Match: Bereits seit 2022 nutzt Rheinmetall die Gamescom als innovative Recruiting-Plattform.
Köln-Deutz. Im August verwandelte sich das Messegelände am Rhein fünf Tage lang zu einem Hotspot der internationalen Gaming-Szene. Neue Spiele testen, Highscores knacken, Merchandise oder Selfies mit dem eigenen eSport-Idol ergattern – die Gamescom verzeichnete auch 2026 wieder Besucherrekorde: Neben 36.000 Fachbesuchern strömten 332.000 Computer- und Videospiel-Fans durch die Hallen, viele von ihnen als bunt kostümierte Cosplayer.
Controller als Bewerbermappe
Team- und Multitasking-Fähigkeit, strategisches Denken, hohe digitale Kompetenz und Frustrationstoleranz: Wer regelmäßig spielt, bringt Fähigkeiten mit, die auch für Technologieunternehmen von Interesse sind. Und so präsentierten sich in der „Jobs & Career Area“ wieder zahlreiche Firmen und Institutionen, um in der Gamer-Community für einen Berufseinstieg bei sich zu begeistern.
Rheinmetall nutzt die Messe seit 2022 als innovative Recruiting-Plattform. Dieses Jahr wartete am Stand des Verteidigungskonzerns eine besondere Attraktion: ein haptischer Simulator eines Geländewagens. Die Besucherinnen und Besucher saßen mit VR-Brille hinter dem virtuellen Lenkrad, im Blick nur die Motorhaube, drumherum eine computergenierte Umgebung, die das Fahrgefühl im Geländewagen mit allen Sinnen erleben ließ. Entsprechend groß war der Andrang. Wer lieber sein Kurzzeitgedächtnis unter Beweis stellen wollte, versuchte sich am digitalen Memo-Spiel mit Produktkarten von Schützenpanzern, Transportfahrzeugen oder Aufklärungsdrohnen. Zwischen den Stationen: Gespräche über offene Stellen, Ausbildungswege und Karrierechancen.
Highlight am Messestand: Der haptische Geländewagen-Simulator ließ das Fahrgefühl mit allen Sinnen erleben.
Heiß begehrtes Give-Away unter den Gamern: Die mit Radhaubitze, Panzer und Truck gebrandeten Socken von Rheinmetall.
Wer die Schnitzeljagd durch die Hallen in Köln-Deutz erfolgreich absolvierte, durfte sich über ein Klemmbaustein-Modell freuen – wie hier der Kampfpanzer Panther KF51.
Ein Querschnitt der Gesellschaft
„Ursprünglich stand die Suche nach IT-Fachkräften im Mittelpunkt“, berichtet Nils-Hennes Over, Recruiting Media und Events Manager bei Rheinmetall. Inzwischen zeigt sich: Das Publikum der Gamescom ist deutlich vielfältiger und geht über alle Berufsgruppen hinweg. Technikerinnen, Mechatroniker und kaufmännische Angestellte waren ebenso auf der Messe anzutreffen wie Elektroingenieurinnen oder Produktionsmitarbeitende – vom Talent, das sich noch in der Ausbildung befindet, bis hin zum erfahrenen Professional. „Was die Gaming-Fangemeinde verbindet, ist ihr Enthusiasmus für Technologie und komplexe Systeme“, so Over, „eine Offenheit, die es uns erlaubt, auch Menschen anzusprechen, die zuvor nicht an eine Karriere in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gedacht haben, deren Kompetenzen jedoch hervorragend zu den vielfältigen Berufsbildern bei Rheinmetall passen.“
Reichweite garantiert
Große Aufmerksamkeit unter den Gamern bescherte Rheinmetall die gemeinsame Aktion mit dem eSport-Team des Sponsoring-Partners Borussia Dortmund. Am Stand erwartete die Fans ein Meet and Greet mit Spielern des Teams inklusive Autogrammstunde, Fotoshooting und einer Gaming-Runde gegen die Profis. Erst im März hat das Team seinen bislang größten eFootball-Erfolg gefeiert: den Titel in der Virtual Bundesliga Club Championship. Events wie diese bringen Rheinmetall Reichweite und stärken die Verbindung zur Gaming- und eSports-Community.
Dank der Partnerschaft mit dem BVB kamen E-Football-Fans am Rheinmetall-Stand voll auf ihre Kosten.
Zwischen den verschiedenen Attraktionen blieb ausreichend Zeit für Gespräche über Karrierechancen und Ausbildungswege im Rheinmetall-Konzern.
Spielen, um nicht zu verlieren
Neben Wirtschaftsunternehmen wie Rheinmetall präsentieren sich in Köln auch Bundeswehr und Bundesnachrichtendienst. Die Verbindung von Militär und Spielen hat eine lange Tradition. Bereits 1824 revolutionierte das Preußische Kriegsspiel die Offiziersausbildung. Ein taktisches Planspiel mit Karten und Spielsteinen ersetzte trockene Theorie und lieferte wertvolles Wissen für komplexe Gefechtssituationen.
Heute nutzen nahezu alle Streitkräfte der Welt sogenannte Wargames, um Strategien realitätsnah zu erproben. Großbritannien und die Vereinigten Staaten gelten dabei als führend. Anders als Egoshooter zielen die Simulationen aber nicht auf Unterhaltung, sondern auf Erkenntnis: Sie stellen Mitspielende vor strategische Dilemmata, regen diese dazu an, Lösungswege zu testen, und schulen die Fähigkeit, unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen. Ob analog, hybrid oder digital ergänzt mit künstlicher Intelligenz: Die Methode gehört längst zur Offiziersausbildung an Führungsakademien und Bundeswehruniversitäten. In einer risikofreien, sogenannten Safe-to-Fail-Umgebung sammeln Soldatinnen und Soldaten synthetische Erfahrung für den realen Ernstfall.
„Was die Gaming-Fangemeinde verbindet, ist ihr Enthusiasmus für Technologie und komplexe Systeme. Auf der Gamescom können wir Menschen ansprechen, die zuvor nicht an eine Karriere in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gedacht haben, deren Kompetenzen jedoch hervorragend zu den vielfältigen Berufsbildern bei Rheinmetall passen.“
Nils-Hennes Over, Recruiting Media & Events Manager bei Rheinmetall
Mehr als eine Gaming-Messe
Wohin die „Gamification“ bei Rheinmetall führt, zeigte der Verteidigungskonzern mit seinem Geländewagen-Simulator auf der Messe. Technologien, die ihren Ursprung in der Gaming-Welt haben, finden in professionellen Trainings-, Entwicklungs- und Simulationslösungen Verwendung. Das bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte. So wird die Gamescom für Rheinmetall zu weit mehr als einer Computerspielemesse: Sie ist ein Treffpunkt für Talente, technologische Begeisterung und berufliche Zukunftsperspektiven.
Rheinmetall und die Deutsche Telekom arbeiten an einem Abwehrschirm gegen Drohnen und Cyberangriffe. Im Fokus der gemeinsamen Entwicklung steht der Schutz von kritischen Infrastrukturen, zivilen Betriebsstätten und Großveranstaltungen.
(Foto: iStock | NewSaetiew)
Line of sight
Das Steuern von Drohnen per Mobilfunk ist bislang in Deutschland wenig verbreitet. Piloten müssen laut Gesetz die Drohne stets im Blick haben (line of sight). Wer außerhalb der Sichtweite seiner Drohne steuert, hat oft kommerzielle Absichten. Etwa zum Abfliegen von Stromtrassen oder Pipelines bei Beschädigungen. Diese Piloten müssen ihren Flug bei den Behörden beantragen. Wer nicht beantragt, aber trotzdem über Mobilfunk steuert, begeht eine Straftat.
Die wiederholten Vorfälle am Münchner Airport und anderen europäischen Flughäfen zeigen eindringlich: Eine einzige Drohne kann den Betrieb komplett lahmlegen, Passagiere stranden lassen, wirtschaftliche Schäden verursachen. Was früher Einzelfälle waren, ist heute Alltag. Ob über kritischen Infrastrukturen wie Chemieanlagen, Stromnetzen und Häfen oder bei sportlichen Großereignissen – unbemannte Flugobjekte stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar. Urbane Großveranstaltungen wie Public Viewings, Paraden oder politische Versammlungen sind bedroht. Die aktuelle geopolitische Lage verschärft die Situation zusätzlich. Hybride Kriegsführung, gezielte Sabotageakte und die kontinuierlich wachsende Bedrohungslage zwingen Deutschland, seine kritische Infrastruktur wirksam zu schützen. Herkömmliche Abwehrsysteme stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Die Bedrohung erfordert neue, intelligente Antworten.
Zwei Partner, ein Ziel
Genau hier setzt die Kooperation von Rheinmetall und der Deutschen Telekom an. Das Düsseldorfer Verteidigungsunternehmen bringt jahrelange Erfahrung in der Drohnenabwehr mit, der Bonner Telekommunikationsanbieter sein flächendeckendes Mobilfunknetz und umfangreiche Expertise bei der Absicherung von Großereignissen. Gemeinsam entwickeln die beiden DAX-Unternehmen ein modulares Schutzsystem, das sich flexibel an unterschiedliche Bedrohungslagen anpassen lässt. Der Ansatz: Multi-Threat-Protection. Während sich Phase eins auf die Drohnenabwehr konzentriert, soll die zukünftige Lösung auch Bedrohungen zu Lande, zu Wasser und im Cyberraum umfassen.
Modulare Architektur für flexible Lösungen
Von der Erkennung über die Identifikation bis zur Abwehr bündeln die beiden Partner je nach Szenario und Gefährdungslage verschiedene Technologien. Beide Unternehmen haben Kompetenz in der Sensorik. Rheinmetall verantwortet die Effektoren. Die Deutsche Telekom bringt sichere Kommunikations- und 5G-Campusnetze, Cloud-Technologie und Datenanalyse mit. Die einzelnen Fähigkeitsbausteine lassen sich flexibel zu maßgeschneiderten Lösungen kombinieren. Denn Kraftwerksbetreiber oder Industrieunternehmen benötigen andere Schutzmechanismen als ein Flughafen oder eine Blaulichtorganisation. So verschieden die Anforderungen auch sind, am Ende geht es immer darum, Drohnen frühzeitig zu detektieren und die Bedrohung mit Störsignalen (Jammern), Abfangdrohnen oder – je nach Umgebung und Zulässigkeit – laserbasierten Abwehrsystemen zu kontern.
Das Netz als intelligenter Wächter
Noch fliegen die meisten der heute am Markt verfügbaren Drohnen, weil ein Pilot sie in Sichtweite per Fernbedienung über eine Funkfrequenz steuert. Um sie aufzuspüren, setzt die Telekom auf einen Mix aus Video-, Audio-, Radiofrequenz- und Remote-ID-Sensoren sowie Radar. In städtischen Gebieten mit dichter Bebauung haben sich besonders passive Radiofrequenz-Sensoren bewährt, die selbst kein aktives Suchsignal aussenden und sich deshalb problemlos an Funkmasten montieren lassen. Sie erfassen derzeit mehr als 90 Prozent aller Drohnen im sogenannten unteren Luftraum.
Durch ihren flächendeckenden Ausbau werden die Mobilfunknetze hierzulande immer leistungsfähiger. (Foto: iStock | Josef Kubes)
Unter Sicherheitsaspekten bringt das neue Herausforderungen mit sich: Denn auf diesem Wege lassen sich auch Drohnen über Smartphones und damit von überall über das Internet steuern. (Foto: iStock | primipil)
Mittlerweile werden sowohl handelsübliche als auch selbstgebaute Drohnen zunehmend per Smartphone über das Internet gesteuert. Der flächendeckende Ausbau leistungsfähiger Mobilfunknetze macht es möglich – über weite Strecken, quasi von überall aus. Für Unternehmen und Behörden bedeutet das eine neue Dimension der Bedrohung. Die Telekom erforscht deshalb in Zusammenarbeit mit der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr sowie im Projekt SENSATION des Bundesforschungsministeriums, wie sich solche mobilfunkgesteuerten Drohnen identifizieren lassen. Ihre Innovation: Das Mobilfunknetz selbst wird zum aktiven Bestandteil der Verteidigung. Das Netz erkennt verdächtige Kommunikationsmuster und meldet potenzielle Bedrohungen in Echtzeit. Ein Ansatz, der weit über klassische Radar- oder Kamerasysteme hinausgeht und eine neue Dimension der Früherkennung eröffnet. Technisch ist es sogar möglich, solche Steuerungsdatenströme aktiv zu unterbinden – die juristischen Rahmenbedingungen werden derzeit noch geklärt.
Deutschlandweites Drohnenlagezentrum
Die neue Art der Drohnendetektion soll ebenfalls in das Gemeinschaftsvorhaben von Rheinmetall und der Telekom einfließen. Perspektivisch denken die beiden Partner in Richtung eines deutschlandweiten Drohnenlagezentrums. Anders als militärische Luftlagebilder wird diese Plattform nicht klassifiziert und steht allen Kunden offen. Auf diesem Wege profitieren Unternehmen und Infrastrukturbetreiber nicht nur von den Erkennungen ihrer eigenen Systeme, sondern erhalten auch Informationen über Detektionen bei anderen Nutzern sowie aus öffentlich zugänglichen Quellen. Eine Datenfusion mit KI-gestützten Prognosen bewertet aktuelle Bedrohungen und ermöglicht Folgeanalysen. So entsteht ein Schutzschirm, der regional wie überregional wirkt und durch das leistungsstarke Mobilfunknetz der Telekom und ein entsprechendes terrestrisches Netz gestützt wird.
Erprobt im Ernstfall
Die Telekom erprobt seit 2016 die Möglichkeiten der Drohnendetektion. Neben verschiedenen Behörden zählen die Bundeswehr, Flughäfen und Unternehmen zu den Kunden. Der Konzern hat im In- und Ausland bereits kritische Infrastrukturen, Liegenschaften und Großevents gegen Drohnen gesichert. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 detektierte das Telekommunikationsunternehmen im Polizeiauftrag zuverlässig illegale Drohnenflüge. Einsatzkräfte konnten Piloten dank punktgenauer Lokalisierung schnell ausfindig machen.
Bei der Fußballeuropameisterschaft 2024 detektierte die Deutsche Telekom im Polizeiauftrag zuverlässig illegale Drohnenflüge rund um die Stadien. (Foto: iStock | senorcampesino)
Mit seinem Counter-UAS-System Skyspotter hat Rheinmetall eine spezialisierte Lösung für den Schutz kritischer Infrastrukturen im Portfolio. (Foto: Rheinmetall)
Rheinmetall zählt zu den führenden Systemhäusern bei der Flugabwehr im Nah- und Nächstbereich. Effektoren des Düsseldorfer Technologiekonzerns sind aktuell in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten im Einsatz. Im Dezember 2025 schloss Rheinmetall eine strategische Partnerschaft mit der Polizei Hamburg und der Hamburg Port Authority, um Drohnendetektions- und Abwehrkonzepte für einen der anspruchsvollsten Standorte Europas zu entwickeln: Der Hamburger Hafen gilt wegen seiner dichten Infrastruktur, der maritimen Bedingungen und der Vielzahl an Funkquellen als besonders herausforderndes Umfeld für Detektionssysteme.
Schnelle Verfügbarkeit, breites Einsatzspektrum
Die Zeitpläne sind ambitioniert. Einzelne Lösungen sind bereits bei verschiedenen Kunden im produktiven Einsatz. Die Komponenten aus Phase eins zur Erkennung, Identifikation und Abwehr von Drohnen sind fertig und werden in wenigen Monaten kommerziell verfügbar sein – auch in Kombination der Fähigkeiten beider Konzerne. Ab Phase zwei und den folgenden Ausbaustufen werden zusätzliche Schutzfunktionen gegen Angriffe aus dem Cyberraum integriert, was besonders für kleinere und mittlere Betriebe interessant wird.
Verantwortung in unsicheren Zeiten
Beide DAX-Unternehmen verbindet die Überzeugung, dass Sicherheit heute nur noch vernetzt gedacht werden kann. Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, fasst die strategische Dimension des Projekts zusammen: „Die Bedrohung durch Drohnen ist hochgradig digital. Deshalb braucht ihre Abwehr die Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen. Rheinmetall und die Deutsche Telekom bündeln genau diese Fähigkeiten.“ Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, betont: „Souveränität entsteht nicht nur durch Diskussionen, sondern durch Taten. Mit der Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse bringt die Telekom Drohnenabwehr auf ein neues Level.“ Gemeinsam mit Rheinmetall stärke man so die Souveränität und leiste einen Beitrag dazu, Sorgen in der Bevölkerung zu reduzieren.
Barbara 7 lautet der liebevolle Spitzname des gepanzerten Löschfahrzeugs der Werkfeuerwehr Rheinmetall in Unterlüß. Benannt nach der Schutzpatronin der Artilleristen und Feuerwehrleute, schützt der gepanzerte Koloss die Einsatzkräfte auf munitionsbelasteten Flächen. Werk-Hauptbrandmeister Thomas Schlicht erklärt, warum die lebensrettende Innovation für ihn mehr als nur ein Einsatzfahrzeug ist.
(Fotos: Katja Kletzke)
Thomas Schlicht,
geboren 1967, ist seit 1990 bei Rheinmetall beschäftigt. Nach 19 Jahren als Einsatzleiter im Service, die er unter anderem im Kosovo und in Afghanistan verbrachte, vollzog er den Wechsel zur Werkfeuerwehr Unterlüß. Seit 2009 setzt er sich als Werk-Hauptbrandmeister für die Sicherheit seiner Kolleginnen und Kollegen ein. Der Handwerksmeister und Techniker ist auch Konzernbrandschutzbeauftragter für alle weltweiten Rheinmetall-Standorte.
„Ich bin im Feuerwehrhaus aufgewachsen – ganze 22 Jahre habe ich dort gewohnt“, erzählt Thomas Schlicht und lacht. Bereits mit zehn Jahren trat er der Jugendfeuerwehr bei – dass er später in die Fußstapfen seines Vaters treten würde, war fast schon vorprogrammiert. Gerhard Schlicht leitete von 1988 bis 2003 die Werkfeuerwehr Unterlüß, 2009 übernahm sein Sohn das Amt. Auch dessen Frau Angela, die als Logistik-Koordinatorin bei Rheinmetall Landsysteme arbeitet, ist eng mit dem Unternehmen verbunden. „Rheinmetall und Feuerwehr, das macht einen großen Teil unseres Lebens aus“, erzählt der ehemalige Zeitsoldat, ausgebildeter Handwerksmeister und Techniker. Das gepanzerte Löschfahrzeug Barbara 7 ist dabei mehr als nur ein Einsatzfahrzeug – es ist ein Symbol für die neue Ausrichtung der Werkfeuerwehr.
Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hat sich die Situation am Standort Unterlüß grundlegend verändert. „Früher wurde mit dem Finger auf uns gezeigt“, erinnert sich Schlicht. „Heute sind wir Mitarbeitende stolz, uns für die Sicherheit unseres Landes einzusetzen.“ Doch die Zeitenwende brachte nicht nur Fortschritt, sondern auch Herausforderungen mit sich: Rheinmetall errichtete am Standort in Rekordtempo Europas größtes Munitionswerk mit einer jährlichen Produktion von bis zu 300.000 Schuss Artilleriemunition. Im Zuge dessen galt es, die Werkfeuerwehr massiv aufzustocken. Von fünf hauptberuflichen Kräften auf 29 – eine Entwicklung, die der Werk-Hauptbrandmeister und Brandschutzbeauftragte des Konzerns persönlich begleitet hat.
Die Rekrutierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei erstaunlich reibungslos verlaufen, berichtet Schlicht. „Das Schöne daran ist: Es sind alles Leute, die bereits mit beiden Beinen im Berufsleben standen. Alle brachten Erfahrungen aus der Freiwilligen Feuerwehr mit.“ Doch die Werkfeuerwehr bekam nicht nur personelle Verstärkung – sie erhielt auch eine nicht-menschliche Unterstützung, die ihresgleichen sucht: das gepanzerte Löschfahrzeug Barbara 7.
Barbara – Schutzpatronin auf acht Rädern
Die heilige Barbara ist Schutzpatronin der Artilleristen und der Feuerwehr – perfekt für ein Löschfahrzeug auf Munitionsgelände.
DIE KLEINE SCHWESTER
Das erste Löschfahrzeug der Marke Eigenbau leistet bereits seit 2021 treue Dienste: Mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Litern Wasser und einer gepanzerten Kabine nach Level-2-Standard ist Barbara 6 nach wie vor eine große Unterstützung für das Werkfeuerwehrteam von Unterlüß!
„Der treibende Gedanke war, dass wir unsere Feuerwehrleute besser schützen müssen. Wir schießen auf unserem Erprobungsgelände seit 1899 mit unterschiedlichen Kalibern in die Heide, unsere Mannschaft ist auf munitionsbelasteten Flächen unterwegs“, erklärt Schlicht. Die Lösung – ein in Eigenregie umgerüstetes Bergefahrzeug von MAN Rheinmetall – war schnell gefunden. Die „kleine Schwester“ Barbara 6 ist mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Litern Wasser und einer gepanzerten Kabine nach Level-2-Standard bereits seit 2021 tatkräftig im Einsatz. Das Besondere daran: Die Feuerwehrkräfte müssen nicht aus dem Fahrzeug aussteigen, da die Löscheinheit vollständig per Funkfernsteuerung bedienbar ist. Nun leistet mit Barbara 7 bereits das nächste Löschfahrzeug im Rheinmetall-Eigenbau lebensrettende Unterstützung für das Werkfeuerteam Unterlüß: Der 13.000-Liter-Wassertank bietet im Brandfall zusätzliche Flexibilität, und dank eines nochmals verstärkten Schutzpanzers der Klasse 3 können die Insassen selbst große Explosionen unbeschadet überstehen.
Doch der Fortschritt am Standort beschränkt sich nicht nur auf die Flotte: Eine neue Feuerwache befindet sich bereits in der Bauphase. „Ein gigantisches Gebäude“, schwärmt Schlicht. Die Werkfeuerwehr Unterlüß ist laut Anerkennungsschreiben der Landesbehörde eine der größten Werkfeuerwehren in Niedersachsen und weist zudem ein besonders hohes Gefahrenpotenzial auf. 125 Brandeinsätze im vergangenen Jahr, dazu 189 Hilfeleistungen, 53 Krankenfahrten und 424 Brandwachen: Die Einsatzkräfte sind gefordert. Doch Thomas Schlicht und sein Team sind allzeit bereit. Mit Barbara an ihrer Seite – und dem Willen, einen wertvollen Beitrag für die Sicherheit ihrer Kolleginnen und Kollegen zu leisten.
Sicherheit rund um die Uhr
Heute beschäftigt die Werkfeuerwehr in Unterlüß
71
Personen
davon
29
hauptberufliche
und
42
nebenberufliche Einsatzkräfte
mit
4
Frauen
Die Werkfeuerwehr am Rheinmetall Standort Unterlüß verfügt über eine lange Tradition. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1924.
Das ehemalige Pierburg-Werk in Berlin vollzieht als Zulieferstandort einen fundamentalen Wandel: weg von der schwächelnden Automobilindustrie hin zur wachsenden Rüstungsproduktion. Seit Juli 2025 firmiert das Unternehmen in Berlin als Rheinmetall Waffe Munition GmbH und sichert damit in der Hauptstadt die Zukunft von 300 Arbeitsplätzen.
Rheinmetall Waffe Munition GmbH, Berlin
Der ehemalige Pierburg-Standort im Herzen Berlins gehört seit 1. Juli 2025 zur Rheinmetall Waffe Munition GmbH. Das Rheinmetall-Tochterunternehmen mit Hauptsitz im niedersächsischen Unterlüß ist unter anderem auf die Entwicklung und Produktion von Waffensystemen und Munition spezialisiert.
Geschäftsfelder
Das Werk im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen wird ab Mitte 2026 als Zulieferunternehmen von Europas größter Großkaliber-Munitionsfabrik in Unterlüß Bauteile für 155mm-Artilleriemunition sowie Gefechtskopf-Komponenten für Loitering Munition produzieren.
Mitarbeiter
300
Jahrliche Produktionsmenge
250.000
Komponenten (ab 2027)
Im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen hat die Industrie eine lange Tradition. Schon im 19. Jahrhundert prägten große Fabrikhallen wie die des Lokomotivherstellers Schwartzkopff das Viertel. Auf dem geschichtsträchtigen Areal, unweit des S-Bahnhofs Humboldthain, fertigte bis vor Kurzem die Rheinmetall-Tochter Pierburg Ventile, Pumpen und Kühlwassersysteme für die Automobilbranche.
Seit vergangenem Jahr ist alles anders. Rheinmetall hat sich strategisch neu ausgerichtet. Der Konzern will sich künftig ausschließlich auf sein Rüstungsgeschäft fokussieren. Die Verhandlungen für den Verkauf der zivilen Automotive-Sparte Power Systems, zu der auch Pierburg gehört, stehen im Frühjahr 2026 kurz vor dem Abschluss. Nicht davon betroffen ist das Werk in Berlin. Der Standort gehört seit Juli 2025 zur Rheinmetall Waffe Munition GmbH, sehr bald schon werden hier 80 Zentimeter lange und 42 Kilogramm schwere Geschosshüllen für Artilleriemunition gehärtet und bearbeitet, Kaliber 155 Millimeter NATO-Standard.
Statt Ventilen, Pumpen und Kühlwassersystemen fertigt das Rheinmetall-Werk im Berliner Wedding nun neben anderen Munitionskomponenten Geschosshüllen aus Stahl. (Fotos: Stephan Pramme)
Perspektivisch wird der Standort rund 50 Komponenten für verschiedene Munitionstypen produzieren – darunter die sogenannte Hebeschraube für den Transport der 155mm-Artilleriegranaten.
(Foto: Stephan Pramme)
Dr. Andreas Müller,
Jahrgang 1963, leitet seit 2014 den Berliner Produktionsstandort, der jüngst von der Rheinmetall-Tochter Pierburg zu Rheinmetall Waffe Munition übergegangen ist. Davor war der Elektroingenieur und promovierte Fertigungstechniker unter anderem als Geschäftsführer von Pierburg in Ústí nad Labem in Tschechien tätig.
Alles auf links gedreht
Andreas Müller ist seit 1999 bei Pierburg beziehungsweise bei Rheinmetall, seit 2014 leitet er das Werk in Berlin. Die Umrüstung des Standorts auf die militärische Fertigung sei ein „echter Glücksfall für das Werk Berlin“, betont der Elektroingenieur und promovierte Fertigungstechniker, den viele Kolleginnen und Kollegen nur „Doc Müller“ nennen. Das gelte sowohl für die knapp 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alle an Bord bleiben, als auch für ihn persönlich. Selbst wenn im Zuge der Umstrukturierung fast kein Stein auf dem anderen bleibt.
Was das bedeutet, lässt sich bei einem Rundgang durch die Produktionshallen kurz vor dem Jahreswechsel 2025/2026 erahnen. Der Umbau erfolgt bei laufendem Betrieb. Auf den alten Produktionsanlagen werden noch Restaufträge für die Automotive-Produktion abgearbeitet oder Support für Schwesterunternehmen wie das im ungarischen Szeged geleistet. Nebenan ist eine große Fabrikhalle schon komplett ausgeräumt und aufwändig mit einem neuen Boden versehen. Die Maschinen für die Fertigung der Geschosshülle stehen – noch vollständig verpackt – in freigeräumten Bereichen und warten auf ihren Einsatz.
„Wir starten schon mit der Produktion von Gefechtsköpfen für Loitering Munition“, erklärt der „Doc“. Diese sollen sowohl in der Loitering Munition der Rheinmetall Electronics („FV-014“) und der UVision („HERO“) als auch in weiteren Systemen zur Anwendung kommen. Zwar gebe es hie und da noch Provisorien. Auch ließen sich manche der Arbeiten erst zu einem späteren Zeitpunkt erledigen. „Wie beim Hausbau“, vergleicht Andreas Müller. „Man zieht ein, auch wenn das Dachgeschoss noch nicht gestrichen ist.“
Lieferant für Unterlüß
Ab 2027 will Rheinmetall jährlich bis zu 1,1 Millionen Artilleriegranaten herstellen können. Etwa 120.000 der dafür notwendigen Geschosshüllen wird das Werk Berlin produzieren. Die robusten Stahlhüllen dienen später sowohl für scharfe Artilleriemunition als auch für Übungsmunition. Neben diesen Produkten liefert das Werk in der Bundeshauptstadt alle für die Geschosse notwendigen mechanischen Kleinteile. Zudem werden Einzelkomponenten für andere Munitionstypen gefertigt, allerdings keine Explosivstoffe. Abnehmer ist jeweils das neue Rheinmetall-Werk im niedersächsischen Unterlüß, das im August 2025 als Europas größte Fabrik für Großkalibermunition in Betrieb ging.
2026 werde als Übergangsjahr noch herausfordernd, meint der Werksleiter. „Danach kommen wir in ruhigeres Fahrwasser.“ In Zukunft wird Rheinmetall in Berlin circa 50 verschiedene Serienprodukte herstellen. Aktuell sind dies die Artilleriehülle und die dazugehörigen Kleinteile sowie die Mehrzweckhülle und Komponenten für Loitering Munition. Eine deutliche Reduzierung der logistischen Komplexität gegenüber den Automotive-Zeiten: „Da umfasste eine einzige Fertigungslinie zum Teil über 25 unterschiedliche Produkte für diverse Kunden“, erinnert sich Müller.
Fokus auf jedes Detail
Im Büro des Werksleiters hängen Charts mit Tabellen und Zeitplänen. Wann wird der Hallenboden fertig sein? Wann lassen sich die alten Produktionslinien abbauen und durch die neuen ersetzen? Wann kann der Härteofen in Betrieb gehen, wann die neuen Maschinen? Jedes Detail müssen er und sein Team im Blick behalten. Andreas Müller kennt sich mit Herausforderungen wie diesen aus. 2004 baute er das Pierburg-Werk im tschechischen Ústí nad Labem mit auf. Dennoch ist die Transformation des Berliner Standorts auch für ihn alles andere als Routine: „Es kommt ja nicht jeden Tag vor, dass ein Unternehmen entscheidet: Okay, wir machen jetzt was ganz anderes.“
Die ersten Maschinen der neuen Produktionslinien, wie hier für die weitere Bearbeitung nach der Härtung der 155mm-Geschosshüllen, sind bereits aufgebaut.
(Fotos: Stephan Pramme)
Renovierung mit Herausforderungen
Und nicht nur das. Eine Bestandsmodernisierung ist oft komplizierter als ein Neubau. „Beispielsweise nimmt die Sanierung des Hallenbodens viel Zeit in Anspruch“, erklärt Andreas Müller. „Wir müssen diese 4.000 Quadratmeter große Fläche zuerst abtragen, bevor wir den neuen Estrich verlegen können. Der neue Boden muss dann bestimmte Anforderungen beim Grundwasserschutz erfüllen.“
Gerade beim Abriss des Bodens können Probleme auftauchen, die jahrzehntelang verborgen lagen. Der Grund, auf dem das Werk in Berlin steht, wird seit 1883 industriell genutzt. „Überall, wo die Bauarbeiter eine Fläche aufmachen, gibt es Überraschungen“, weiß der Werksleiter. „Da wird ein Rohr angehoben und plötzlich entdecken sie altes Eternit, sprich Asbest, das speziell zu entsorgen ist. Das kommt bei einem Neubau nicht vor.“ Um sicherzustellen, dass nicht über schadstoffhaltiges Erdreich gebaut wird, lässt Andreas Müller an allen betreffenden Stellen Bodenproben nehmen.
Umschulungen für neue Aufgaben
Die komplette Neuausrichtung der Fertigung bringt auch neue Aufgaben für das Produktionspersonal mit sich. Rheinmetall investiert nicht nur in Maschinen, sondern auch in ein umfassendes Schulungskonzept. „Besonders anspruchsvoll ist die Umschulung für Mitarbeiter, die bisher an hochkomplexen Maschinen in der Montage gearbeitet haben“, erklärt Andreas Müller. „Diese Fachkräfte werden künftig vor allem im Bereich der ebenfalls komplexen Drehbearbeitung eingesetzt.“ Auch die Werkzeugeinstellung unterscheide sich grundlegend von den bisherigen Arbeitsabläufen. Die Schulungen finden sowohl in Berlin als auch in Unterlüß statt, zum Teil auch online. „Für diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die bereits vor der Umstrukturierung im Drehbereich tätig waren, ändert sich letztlich wenig.“
Die „Mini-Factory“ bleibt
Was trotz der fundamentalen Transformation des Werkes nach wie vor bleibt, ist die „Mini-Factory“. Das agile Arbeitsmodell hat sich schon zu Pierburg-Zeiten erfolgreich bewährt. Statt starrer Abteilungen arbeiten hier die Fachleute aus Produktion, Logistik und Qualitätssicherung bereichsübergreifend zusammen. „Die zusammengestellten Teams bestimmen selbst, in welcher Reihenfolge sie die eingehenden Arbeitsaufträge und tagesaktuelle Probleme erledigen“, erklärt Andreas Müller. „Lediglich die Produktionsziele und das ‚Wie‘ geben wir vor – Produktionsprozesse, Materialverbuchung, Qualitätsstandards.“ Diese weitreichende Entscheidungsfreiheit mache die Arbeit aus Sicht des Werksleiters nicht nur effizienter, sondern auch attraktiver. „Im Tagesgeschäft agieren die Kolleginnen und Kollegen eigenverantwortlich im Rahmen festgelegter Prozesse. Das motiviert.“
Zeiten ändern sich
Rheinmetall Waffe Munition mitten in der deutschen Hauptstadt – zwar wird in Berlin nichts gefertigt, was dem Kriegswaffenkontrollgesetz (siehe „Waffen, aber sicher!“) unterliegt. Dennoch sorgt der Standort mit seiner Neuausrichtung für kontroverse Diskussionen. Doch die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich geändert und mit ihr die öffentliche Wahrnehmung der Verteidigungsindustrie. Das Umdenken spiegelt sich auch in der Belegschaft wider. Alle 300 Beschäftigten haben entschieden zu bleiben. Innerhalb kürzester Zeit.
„Gewissermaßen hat das ganze Werk den Schritt gemeinsam vollzogen“, sagt „Doc Müller“ nicht ohne Stolz. „Die Mannschaft ist komplett motiviert, da wir im wahrsten Sinne des Wortes alles auf einmal realisieren.“ Nachdenklich fügt er hinzu: „Als Zulieferunternehmen der schwächelnden Automobilindustrie wäre ein Standort wie unserer künftig unrentabel.“ Gleichzeitig betont er, dass es den Menschen hier um mehr als einen sicheren Arbeitsplatz ginge: „Wir leisten einen Beitrag für unsere Sicherheit“, so Andreas Müller. Das sei vielen wichtig. Und noch etwas: Mit dem Werk lebt die industrielle Tradition im Gesundbrunnen weiter. Seit dem 19. Jahrhundert wird hier im heutigen Berliner Bezirk Mitte produziert – und das wird sich sicher so schnell nicht ändern.
Angesichts einer stetig wachsenden Elektromobilität hat das Technology Center von Rheinmetall zusammen mit der Business Section „Emerging Technologies“ eine innovative Komponente für die Ladeinfrastruktur entwickelt. Im Rahmen der jetzt anstehenden Industrialisierung gehen diese neuartigen Ladebordsteine nun vollständig an die operative Einheit über. Aber auch hier gilt: Stillstand ist Rückschritt!
Staffelübergabe
(Foto: Folke Heyer)
Die Industrialisierung der Ladebordsteine erfolgt künftig über die Business Section Emerging Technologies innerhalb der Division Power Systems von Rheinmetall. Deren Leiter, Dr. Dirk Kamarys (r.), übernimmt den „Staffelstab“ von Entwickler Dr. Felix Stracke vom Rheinmetall Technology Center.
Schon Mitte 2024 hatte Rheinmetall gemeinsam mit dem Ladepunktbetreiber „TankE“ ein Pilotprojekt für seine neuentwickelten Ladebordsteine gestartet. Im Kölner Stadtgebiet sowie einer Gemeinde im Umland wurde diese Form des Ladens am Bordstein unter realen Bedingungen auf Herz und Nieren geprüft. Untersucht wurden die Akzeptanz und Nutzungshäufigkeit seitens der Elektromobilisten sowie die Zuverlässigkeit, Ergonomie und die generelle technische Verfügbarkeit der Entwicklung. Diese Pilotphase war bewusst für einen vergleichsweise langen Zeitraum angesetzt, um alle Jahreszeiten mit ihren spezifischen Anforderungen abzubilden.
Viel Strom ist in der Zwischenzeit durch die Ladeeinrichtungen geflossen und hat zudem ein internationales Interesse an dieser unkonventionellen Form der „Betankung“ von Elektrofahrzeugen hervorgerufen. In mehreren Städten – darunter Düsseldorf, Köln, Dortmund und Braunschweig – tun daher erste Bordsteine bereits ihren Dienst. Weitere Einsätze in Hamburg, Stuttgart, Leipzig sowie Potsdam sind zurzeit in Planung. Eine ebenso große Aufmerksamkeit verzeichneten die Entwickler seitens privater Interessenten.
„Dennoch“, sagt Dr. Dirk Kamarys, Leiter der operativen Geschäftseinheit, „ist unsere Zielgruppe auch künftig allein der B-to-B-Sektor. Gründe dafür sind die in Frage kommenden Stückzahlen und nicht zuletzt auch die vorhandene Key-Account-Vertriebsstruktur unseres Unternehmens. Und allein dieser Bereich ist für uns schon ein hochattraktiver Markt.“
„Man braucht unser System“
Hinzu kommt die Alleinstellung der Ladebordsteine von Rheinmetall, die über eine Vielzahl an Patenten verfügen. Dazu Dr. Felix Stracke, der mit seinem Team für die Grundidee der Ladebordsteine verantwortlich zeichnet und auch maßgeblich an ihrer weiteren Entwicklung hin zur Serienreife beteiligt ist: „Zurzeit liegt der Anteil elektrischer oder elektrifizierter Fahrzeuge an der Gesamtfahrzeugflotte noch im einstelligen Prozentbereich. Man kann aber anhand der Entwicklung und nicht zuletzt der jetzt wieder einsetzenden Förderung auch heute schon absehen, dass wir in Zukunft das 10- bis 15-Fache der derzeitigen öffentlichen Ladeinfrastruktur benötigen werden. Niemand wird sich vorstellen können, dass man das in unseren Stadtbildern allein durch Ladesäulen abdeckt. Deshalb wird man unser System brauchen!“
Ausgezeichnetes Produktdesign
Daher also die grundsätzliche Daseinsberechtigung des Systems, das zudem schon in der Pilotphase durch eine Verfügbarkeit von über 99 Prozent glänzen konnte. Herkömmliche Ladesäulen erreichen in der Regel lediglich 95 bis 97 Prozent. Ein beachtlicher Wert, zieht man in Betracht, dass sich die Neusser Entwickler und ihre Kollegen in der Business Section in einer für sie vollkommen neuen Branche bewegen. Dennoch haben sie ihr neues Produkt, das zudem mit dem begehrten Red Dot Design Award ausgezeichnet wurde, bereits so entwickelt, dass es auch unter rauen Umgebungsbedingungen zuverlässig seinen Dienst tut.
Besser als Ladesäulen
Bei der Evaluierung im Rahmen der Pilotphase wollten die Entwickler des Ladebordsteins ein möglichst objektives Feedback einholen und haben deshalb gemeinsam mit den Betreibern eine sogenannte Case Study erstellt. Dazu wurden anonyme Beurteilungen von über hundert ladenden Kunden ausgewertet. Das solchermaßen gewonnene Feedback fiel unter dem Strich extrem positiv aus. Die nach Meinung der E-Mobilisten vorhandenen Einschränkungen bei der Auffindbarkeit der Ladepunkte, die in der Startphase noch gar nicht in den entsprechenden Apps verzeichnet waren, wurden durch ihre hohe Ladestabilität und große Zuverlässigkeit sowie den innovativen Appeal der Neuheit mehr als kompensiert. Die Ladebordsteine wurden aufgrund ihrer Barrierefreiheit und Bedienungsfreundlichkeit besser bewertet als herkömmliche Ladesäulen. Hinzu kamen unter anderem Argumente wie ein verbessertes Stadtbild, die Bewahrung von Sichtachsen sowie das Freihalten von Gehwegen und eine vergleichsweise geringe Anfälligkeit für Vandalismus. Last, but not least ist diese Technik zudem derart robust, dass ihr selbst ein versehentliches Überfahren nichts ausmacht. Und auch die Ladepunktbetreiber entwickelten sich schnell zu wahren Fans der Bordsteine.
Kein Strom, kein Umsatz
Besonders bei Ladeeinrichtungen ist die Verfügbarkeit über viele Jahre ein entscheidender Faktor in der Gesamtkostenrechnung. Dabei ist neben der Zuverlässigkeit auch entscheidend, wie schnell sich der Ladepunkt bei einem etwaigen Ausfall wieder instand setzen lässt, denn in einer Ausfallzeit macht der Betreiber zwangsläufig keinen Umsatz. Auch hier kann die Entwicklung punkten, da bei einer etwaigen Fehlfunktion ein Austausch des Elektronikmoduls binnen kurzer Zeit erfolgen kann. Aber damit ist die weitere Entwicklungsgeschichte der Module noch längst nicht am Ende. Genannt seien hier nur ein international erweiterter Service, das bidirektionale Laden, der Ersatz von Spezialbeton durch Grauguss sowie ein spezielles Kabelschutzprogramm. Denn schließlich gilt auch hier: Das Bessere ist der Feind des Guten!
Weitere Informationen über den innovativen Ladebordstein von Rheinmetall sind hier zu finden.
Kaum eine Produktgruppe unterliegt strengeren Kontrollen als Rüstungsgüter. Nationale Gesetze, europäische Verordnungen und Richtlinien, internationale Abkommen: Ein genauerer Blick auf die Regulierung von Waffenexporten räumt mit Vorurteilen auf und eröffnet eine neue Perspektive auf die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Ob in den Händen somalischer Paramilitärs, islamistischer Terrorgruppen oder von Piraten vor der Küste Nigerias – weltweit werden Waffen missbraucht, um Menschenrechte zu verletzen und gegen das humanitäre Völkerrecht zu verstoßen. Dahinter steht ein globaler illegaler Markt. Schon die wenigen Beispiele zeigen: Von unreguliertem Handel mit Rüstungsgütern gehen erhebliche Gefahren aus. Dennoch braucht es Waffen – zur Durchsetzung der inneren Sicherheit, zur Landes- und Bündnisverteidigung, zur Friedenssicherung durch Abschreckung und zur Erfüllung militärischer sowie humanitärer Missionen.
Diese Ambivalenz regelt in Deutschland zunächst das Grundgesetz: Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören oder einen Angriffskrieg vorbereiten sollen, sind verfassungswidrig und werden bestraft. Zur Kriegführung bestimmte Waffen („Kriegswaffen“) dürfen nur mit Genehmigung der Bundesregierung unter anderem hergestellt, befördert und in Verkehr gebracht werden – das gilt selbstverständlich auch für Rheinmetall. Auch Waffen, Munition und andere Rüstungsgüter, die keine Kriegswaffen sind, unterliegen strengen staatlichen Genehmigungs- und Nebenpflichten.
Kein Export ohne Kontrolle
Die Bundesrepublik verfügt über eines der strengsten Exportkontrollsysteme der Welt: Neben dem Grundgesetz regeln das Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen und das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) in Verbindung mit der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) deutsche Rüstungsexporte. Das dient der Friedenssicherung und der Kriegsverhütung. Es reglementiert Herstellung, Überlassung, Inverkehrbringen, Erwerb und Beförderung von Gegenständen, Stoffen und Organismen, die als Kriegswaffen gelten. Was als Kriegswaffe gilt, ist im Gesetz eindeutig definiert – entscheidend ist insbesondere die Zweckbestimmung. So fallen beispielsweise Kampfpanzer, gepanzerte kampfunterstützende Fahrzeuge oder Maschinengewehre ebenso darunter wie bestimmte Munitionsarten, Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und vieles mehr.
Auch der Export anderer Rüstungsgüter ist gesetzlich reguliert – etwa von Waffen und Munition nach dem Waffengesetz oder von Explosivstoffen nach dem Sprengstoffgesetz. Je nach Endverwender sind entsprechende Exportgenehmigungen erforderlich.
Jeder Schritt genehmigungspflichtig
Jede Herstellung, Lagerung und Beförderung von Kriegswaffen und anderen Waffen- und Munitionsarten bedarf bereits im Inland einer Genehmigung nach der jeweils anzuwendenden Rechtsnorm. Das gilt auch für den Transport mit deutschen Schiffen oder Luftfahrzeugen außerhalb des deutschen Hoheitsgebietes, die Ein-, Aus- sowie die Durchfuhr. Bei Rheinmetall sorgen Mitarbeiter, die entsprechend geschult sind und über ausreichende Erfahrung verfügen, in den operativen Gesellschaften für die strikte Einhaltung dieser Regularien. Jede Lieferung, jeder Transport wird angemeldet – auch wenn beispielsweise ein Schützenpanzer Puma zur Ausstellung beim Tag der Bundeswehr in Wunstorf transportiert wird. Sogenannte Dual-Use-Güter, die sich sowohl zivil als auch militärisch nutzen lassen, kontrolliert das Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Dazu zählen etwa Chemikalien, Elektronik, Werkzeugmaschinen, Software oder Technologie.
Auch die politischen Grundsätze der Bundesregierung begrenzen den Ermessensspielraum der Genehmigungsbehörden. Ein wesentliches Element: die Beachtung der Menschenrechte durch den Endverwender. Besteht der hinreichende Verdacht auf Missbrauch des Rüstungsguts zur internen Repression oder zu sonstigen fortdauernden, systematischen Menschenrechtsverletzungen, verbietet das den Export. Darüber hinaus unterscheidet Deutschland zwischen EU-, NATO- und NATO-gleichgestellten Ländern (Australien, Neuseeland, Japan, Schweiz) und Drittländern. Exporte in Drittländer gibt die Bundesregierung nur dann frei, wenn im Einzelfall besondere außen- oder sicherheitspolitische Interessen Deutschlands vorliegen – etwa bei der Terrorabwehr und der Bekämpfung des internationalen Drogenhandels. Bei kritischen Vorgängen entscheidet der geheim tagende Bundessicherheitsrat über die Exportgenehmigung. Generell gilt: Eine Ausfuhrgenehmigung von Rüstungsgütern erfolgt ausschließlich, wenn deren Endverbleib im Empfängerland sichergestellt ist. Der Endverwender muss dies in der Regel durch eine Endverbleibserklärung bestätigen. Nach der Lieferung können das BAFA und deutsche Botschaften dies vor Ort kontrollieren.
Globale Standards und Embargos
Internationale Waffenembargos setzt Deutschland durch die AWV um. Im Wassenaar Arrangement haben sich 42 Staaten zusammengeschlossen, um ihre Kontrollen bei der Ausfuhr konventioneller Rüstungsgüter und von Dual-Use-Gütern sowie darauf bezogener Technologie zu harmonisieren. Im Rahmen des Arms Trade Treaty verpflichten sich über 100 Staaten, international gültige Standards für den Handel mit Rüstungsgütern zu befolgen. Deutschland liefert grundsätzlich nicht in Kriegs- und Krisengebiete. Eine Ausnahme bildet unter anderem die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg. Auch die Einhaltung der diversen Sanktionsregime – etwa der UN und der EU – stellen die deutschen Exportregularien sicher. Verschiedene Behörden arbeiten dabei Hand in Hand: BAFA, Bundeskriminalamt, Bundesverwaltungsamt und Zoll tauschen Daten aus, um alle relevanten Exporte zu kontrollieren.
Null Toleranz bei Verstößen
Strenge Gesetze, eine restriktive Genehmigungspraxis und konsequente Kontrollen stellen zusammen mit den umfassenden internen Compliance-Programmen der jeweiligen Hersteller – auch Rheinmetalls – sicher, dass Verstöße selten bleiben. Kommt es dennoch dazu, drohen je nach Schweregrad Geldstrafen bis hin zu mehrjährigen Freiheitsstrafen – besonders bei gewerbsmäßigen Handlungen. Deutschland setzt sowohl von staatlicher als auch von unternehmerischer Seite Maßstäbe in der Exportkontrolle. Das schafft Vertrauen und Sicherheit, damit Waffen nicht in falsche Hände geraten.
In Rekordzeit errichtete Rheinmetall in Weeze eine State-of-the-Art-Fabrik für Rumpfteile des modernsten Tarnkappenkampfjets der Welt: des F-35 Lightning II. Über eine 200-Millionen-Euro-Investition in die europäische Sicherheit und die Zukunftsfähigkeit des Technologiestandorts Deutschland.
Während der Eröffnung der Fabrik im Juli 2025 betonten Northrop-Grumman-Manager Stephen O’Bryan, Ministerpräsident Henrik Wüst und Rheinmetall CEO Armin Papperger (v. r. n. l.) die Bedeutung solcher industriellen Großprojekte für die transatlantische Partnerschaft.
Bundesweite Popularität verdankte Weeze bislang vor allem den günstigen Flügen nach Mallorca und dem alljährlich am Airport stattfindenden Musikfestival „Parookaville“. Inzwischen macht der kleine Ort im Landkreis Kleve jedoch in völlig anderer Hinsicht von sich reden. Denn seit dem Sommer 2025 entstehen dort die „Kampfjet-Herzstücke vom Niederrhein“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) – ein Symbol für die sicherheitspolitische Neuorientierung Deutschlands. Rheinmetall fertigt hier im Auftrag des US-Konzerns Northrop Grumman 400 Rumpfmittelteile für den Kampfjet F-35. Nach der Hochlaufphase soll das neue Werk bis zu 36 dieser Teile pro Jahr produzieren. Die 30.000 Quadratmeter große Fabrik für den „Stealth Fighter der fünften Generation“ liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Flughafen Weeze. Ihr Bau dauerte weniger als eineinhalb Jahre. Zur Eröffnung besuchte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst den Standort. Die neue Anlage stehe für einen „starken Beitrag zur Zeitenwende und zur kollektiven Sicherheit Europas“, erklärte der Regierungschef.
Neue Rolle in der Luftfahrt
Die Rheinmetall Aviation Services GmbH betreibt die hochmoderne Fertigungsstätte. Das Tochterunternehmen der Rheinmetall AG wurde 2019 in Bremen gegründet und steht für die wachsenden Ambitionen des Konzerns im Bereich der militärischen Luftfahrt. Zunächst als strategischer Dienstleister für Wartung und Instandhaltung gestartet, produziert Rheinmetall Aviation Services inzwischen auch zentrale Flugzeugkomponenten. Bis 2026 betreute das Unternehmen an den Bundeswehrstandorten Diepholz, Laupheim und Holzdorf die CH-53G-Hubschrauberflotte – von der Basis- und Linienwartung über Reparaturen bis hin zur täglichen Begleitung des Flugbetriebs. Mit der Außerdienststellung des Modells endet diese Unterstützung jedoch in absehbarer Zeit.
Die Lockheed Martin F-35 Lightning II bildet künftig das Rückgrat vieler NATO-Luftstreitkräfte. Insgesamt 20 Länder, darunter Deutschland, haben den fortschrittlichen Tarnkappenkampfjet bis dato bestellt. (Foto: picture alliance / NurPhoto | Nicolas Economou)
400 der hochkomplexen und zwei Tonnen schweren Rumpfmittelteile wird Rheinmetall in seinem neuen Werk in Weeze fertigen. (Foto: Northrop Grumman)
Transatlantische Partnerschaft
Im Februar 2023 unterzeichneten Rheinmetall, Lockheed Martin und Northrop Grumman eine Absichtserklärung zum Bau von F-35-Rumpfmittelteilen in Deutschland. Ziel war es, eine „integrierte Montagelinie“ einzurichten und damit den europäischen Industrieanteil am F-35-Programm zu erhöhen. Während Lockheed Martin als Hauptauftragnehmer Entwicklung, Vertrieb und Endmontage verantwortet, liefert Northrop Grumman Schlüsseltechnologien wie Sensorik, Avionik sowie Flugzeug- und Trainingssoftware. Das von Rheinmetall gefertigte Rumpfmittelteil gilt als zentrales Element der F-35: Es verbindet Avionik, Waffensysteme, Treibstoffzellen, elektrische und hydraulische Systeme sowie Teile des Antriebs. Die neue Rheinmetall-Fertigungslinie in Weeze entspricht weitgehend derjenigen von Northrop Grumman im kalifornischen Palmdale.
Warum Weeze?
Der Standortentscheidung zugunsten von Weeze ging eine intensive Suche voraus. Unter mehr als 70 potenziellen Flächen in zwölf Bundesländern setzte sich schließlich das rund 60.000 Quadratmeter große Areal am Niederrhein durch. Ausschlaggebend waren die Nähe zum Flughafen, geeignete Bodenverhältnisse und die Unterstützung durch Kommunal- und Landespolitik. Zudem überzeugte die geringe Entfernung zu den Industriezentren des Ruhrgebiets und des Rheinlands. Vom ersten Spatenstich im Spätsommer 2023 bis zum Produktionsstart im Juli 2025 vergingen weniger als 18 Monate.
Langfristige Perspektive
Die Fertigung der 400 Rumpfmittelteile für die F-35 Lightning II ist auf mindestens 20 Jahre ausgelegt. Damit ist der Standort langfristig gesichert – weit über das Jahr 2040 hinaus. Rund 400 hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Weeze wird damit nicht nur Teil einer globalen Lieferkette, sondern auch ein sichtbares Zeichen der sicherheitspolitischen Zeitenwende in Europa.
Millimeter und Gramm entscheiden. Ob ein Geschoss trifft, hängt von exakter Dosierung, präziser Fertigung und hohem handwerklichem Können ab. Eine Spurensuche durch die Historie von Europas größtem Munitionsproduzenten Rheinmetall.
1889
Die Pariser Weltausstellung feiert den Eiffelturm. Und Düsseldorf schreibt Industriegeschichte. Am 13. April 1889 erhält die soeben gegründete Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik ihren ersten Auftrag: ein Mantelgeschoss für ein 7,92 mm Kleinkalibergewehr. Die verzögerte Maschinenlieferung aus England zwingt das junge Unternehmen fast zur Betriebsaufgabe. Nachdem die Serienproduktion der neuartigen Munition nach fünf Monaten endlich startet, verlässt schon wenige Tage später die erste Charge von 20.000 Geschossen das angemietete Fabrikgelände in der Talstraße. Ab 1890 findet die Produktion im neu errichteten Werk in Derendorf statt.
Gigant aus Stahl
Die größte Munition, die Rheinmetall je gebaut hat: Granaten mit einem Kaliber von bis zu 60cm für den Mörser „Karl“. Sechs dieser Geschütze fertigt Rheinmetall-Borsig zwischen 1940 und 1942. Ein Exemplar der überdimensionalen Granaten steht heute in der Ausstellung am Rheinmetall-Standort Unterlüß.
Ab den 1960er-Jahren stellt Rheinmetall insbesondere mit zwei Munitionstypen seine Fertigungskompetenz weltweit unter Beweis. Die 155mm-Geschosse sind bis heute das Standardkaliber der NATO-Artillerie. 1979 geht die 120mm-Munition für den Kampfpanzer Leopard 2 in Serienfertigung – als flügelstabilisiertes Pfeilgeschoss mit hoher Anfangsgeschwindigkeit. Beide fertigt Rheinmetall in sehr hoher Stückzahl.
Gefragte Großkaliber
Bildergalerie
Präzisionsarbeit in Frauenhand
Kartuschbeutel nähen, Pulver abfüllen oder Geschosse laborieren: Nicht nur während der Kriegsjahre halten Frauen die Munitionsfertigung in den Werkhallen am Laufen – als günstige Arbeitskräfte und feinmotorisch geschickter als ihre männlichen Kollegen. Tradierte Rollenbilder wie diese sind mittlerweile Vergangenheit. Heute gestalten Frauen als Technikerinnen, Ingenieurinnen und in Führungspositionen die Zukunft des Rheinmetall-Konzerns mit.
Smarte Geschosse
Gemeinsam mit Diehl entwickelt Rheinmetall seit dem Ende der 1980er-Jahre intelligente Munition: Geschosse, die selbstständig das Ziel erfassen und die Treffwahrscheinlichkeit drastisch erhöhen. Die Bomblet-Munition RB 63 DM 612 kommt erstmals im US-amerikanischen Mehrfachraketenwerfer MLRS und seinem europäischen Pendant MARS zum Einsatz.
In der modernen Kriegsführung gewinnt sogenannte Loitering Munition stark an Bedeutung. Die mit einem Sprengkopf ausgestatteten Kamikazedrohnen kreisen unbemerkt im Luftraum, bis ihnen per Datenlink Ziel und Angriffskommando gegeben wird. Rheinmetall hat mehrere Systeme der Präzisionswaffe im Portfolio.
Mega-Fabrik mit hohem Automatisierungsgrad
In den späten 1970er-Jahren hält die Automatisierung Einzug in die Werkhallen: Industrieroboter senken Fehlerquoten, steigern die Produktivität und verkürzen Lieferzeiten. Jüngstes Großinvestment von Rheinmetall ist das 2025 eröffnete, hochautomatisierte Werk Niedersachsen in Unterlüß. In Europas größter Munitionsfabrik will der Verteidigungskonzern künftig pro Jahr bis zu 350.000 Schuss der am Markt stark nachgefragten 155mm-Munition fertigen.
Renaissance eines Klassikers
Im Verteidigungskampf der Ukraine beweist sich der von Deutschland gelieferte Flakpanzer Gepard als äußerst effiziente Flugabwehrwaffe. In Rekordzeit entwickelt Rheinmetall für das ausgemusterte System die passende HEI-T-Munition und produziert die dringend benötigten Granaten im industriellen Maßstab am Standort Unterlüß.
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