Wo Hightech auf Natur trifft, ist Verantwortung gefragt. Auf dem Erprobungsgelände von Rheinmetall in Unterlüß lebt eine seltene und streng geschützte Art – das Birkhuhn. Der Konzern engagiert sich hier seit Jahrzehnten aktiv für den Erhalt dieser faszinierenden Vogelart.
Auf einen Blick: Das Birkhuhn in Unterlüß
Ein Vogel mit Geschichte
(Foto: Freepik)
Das Birkhuhn (Tetrao tetrix) gehört zu den charakteristischen Arten der Heidelandschaft – und ist heute in Deutschland vom Aussterben bedroht.
Refugium für das Birkhuhn
Der Schießplatz Unterlüß beherbergt einen der letzten stabilen Birkhuhn-Bestände im norddeutschen Tiefland. Das Gelände umfasst rund 50 Quadratkilometer Heide-, Wald- und Offenlandflächen.
(Foto: Rheinmetall)
Warum Unterlüß so wichtig ist
Die offenen Heideflächen bieten ideale Brut- und Nahrungsbedingungen. Der eingeschränkte öffentliche Zugang sorgt für Ruhe – ein entscheidender Vorteil für die scheuen Tiere.
(Foto: Rheinmetall)
Was Rheinmetall tut
Biologen überwachen regelmäßig die Bestände. Um Verbuschung zu verhindern, pflegt das Unternehmen aktiv die Heideflächen. Rheinmetall arbeitet hierbei eng mit Naturschutzbehörden und Experten zusammen.
Was das für die Zukunft bedeutet
Der Erhalt des Birkhuhns ist ein langfristiges Engagement – und ein Beispiel dafür, wie Industrieflächen unerwartet zu Refugien für die Natur werden können.
Es ist kurz nach Sonnenaufgang, als Hermann Christoph Mielich das Heidegebiet am Rande des Schießplatzes Unterlüß betritt. Tau liegt noch auf den Gräsern, die Luft ist kühl und klar. In der Ferne ertönt ein leises Flattern – ein Birkhahn hebt ab, verschwindet über den Heidekämmen. „Solche Momente sind selten geworden“, sagt der Forstingenieur. „Und genau deshalb müssen wir alles daransetzen, sie zu bewahren.“
Ein Rückzugsort inmitten militärischer Nutzung
Der Schießplatz Unterlüß gilt als einer der größten seiner Art in Deutschland. Hier werden ballistische Tests durchgeführt, militärische Fahrzeuge erprobt – und zugleich Lebensräume geschützt. Das rund 50 Quadratkilometer große Areal hat sich zu einem wertvollen Refugium für viele selten gewordene Arten entwickelt, darunter das stark gefährdete Birkhuhn. In Deutschland ist der Brutvogel mit dem lateinischen Namen Tetrao tetrix nur noch in wenigen Regionen zu finden – autochthone Vorkommen existieren ausschließlich in den Alpen und in der Lüneburger Heide.
Die offenen Heideflächen, die durch militärische Nutzung in Norddeutschland erhalten geblieben sind, bieten ideale Bedingungen für diese scheue Vogelart. Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich und dadurch weitgehend ungestört – ein wirkungsvoller Schutzfaktor für Arten wie das Birkhuhn.
Im Tiefland bewohnt das Birkhuhn meist große, reich gegliederte Heide- und Moorgebiete, sowie stark gelichtete Waldflächen. Das Erprobungsgelände von Rheinmetall in Unterlüß bietet dem in Deutschland selten gewordenen Brutvogel ideale Lebensbedingungen. (Foto: Rheinmetall)
Im Frühling beeindrucken die Männchen mit ihren spektakulären Balztänzen. Ihre kullernden und zischenden Rufe sind bereits von Weitem zu hören. (Foto: Rheinmetall)
Artenschutz als gelebte Verantwortung
„Die Heide braucht Offenheit – ohne gezielte Pflege würde sie verbuschen, langfristig zu Wald werden und das Birkhuhn würde verschwinden“, erklärt Mielich. „Unsere Aufgabe ist es, diesen Lebensraum aktiv zu erhalten. Birkhühner leben seit der letzten Eiszeit in Deutschland. Vor allem durch das fast vollständige Verschwinden extensiver Offenlandbereiche und die überwiegend industrielle Landwirtschaft sind allgemein bodenbrütende Vogelarten in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. So ist auch das einstmals in großen Teilen Niedersachsens vorkommende Birkhuhn vielerorts verschwunden und kommt in der norddeutschen Tiefebene nur noch in fünf Teilpopulationen vor.“
„Wir sehen den Schutz des Birkhuhns nicht als Pflicht, sondern als Teil unseres Selbstverständnisses. Als Technologiekonzern tragen wir Verantwortung – auch für die Natur auf unseren Flächen. Auf dem Gelände des Konzerns in Unterlüß leben derzeit circa 25 Birkhühner.“
Hermann Christoph Mielich, Forstingenieur am Standort Unterlüß
Rheinmetall nimmt seine Verantwortung für Umwelt und Biodiversität ernst. In enger Abstimmung mit Naturschutzbehörden und externen Fachgutachtern hat das Unternehmen in Unterlüß gezielte Maßnahmen zum Schutz des Birkhuhns etabliert:
Monitoring durch eigenes Fachpersonal: Jährliche Frühjahrszählungen während der Balz helfen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Schutzmaßnahmen anzupassen. Alle Erhebungen melden Hermann Christoph Mielich und sein Team an die staatliche Vogelschutzwarte und die örtlichen Naturschutzbehörden.
Habitatpflege: Durch kontrollierte Entbuschung und gezielte Heidepflege bleibt der offene Lebensraum erhalten, den das Birkhuhn benötigt.
Forschung für den Erhalt genetischer Vielfalt
Ein besonderer Fokus liegt auf der wissenschaftlichen Begleitung der Population. Kleine, isolierte Bestände wie die in der Lüneburger Heide kämpfen um ihre genetische Vielfalt. Rheinmetall unterstützt deshalb mit einer Spende von 10.000 Euro entsprechende Forschungsprojekte. Dabei untersuchen die Ornithologen mithilfe moderner genetischer Analysen den Zustand und die Vernetzung der Birkhuhn-Populationen. „Wir arbeiten eng mit Fachgutachtern und Behörden zusammen, um datenbasierte Entscheidungen treffen zu können“, erläutert Mielich. „Nur wenn wir verstehen, wie sich die Population entwickelt, können wir gezielt Maßnahmen ergreifen.“
Partnerschaftlicher Ansatz im regionalen Aktionsplan
Der Schutz des Birkhuhns ist ein Gemeinschaftsprojekt. Rheinmetall ist Teil eines regionalen Aktionsplans, der Maßnahmen koordiniert und priorisiert. Zu beteiligten Partnern zählen Naturschutzbehörden, Forstverwaltungen, Jagdverbände und Forschungseinrichtungen. Konkret arbeiten zusammen: der Verein Naturschutzpark (VNP), die Landes-, Bundes- und Klosterforsten, das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML), das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU), die Staatliche Vogelschutzwarte des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), die Bundeswehr, die Landesjägerschaft Niedersachsen, die Norddeutsche Naturschutzakademie (NNA), das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) – und eben Rheinmetall.
„Naturschutz funktioniert nur im Verbund“, betont Mielich. „Kein Akteur kann eine solche Aufgabe allein stemmen. Unsere Rolle ist es, unsere Flächen, unser Know-how und unsere Ressourcen einzubringen.“
Technologie und Natur – kein Widerspruch
Für den Forstingenieur Mielich ist der Schießplatz nicht nur ein Industrieareal, sondern auch ein komplexes Ökosystem. „Hier treffen moderne Verteidigungstechnologie und sensible Natur direkt aufeinander“, sagt er. „Das verlangt Planung, Dialog und manchmal auch Zurückhaltung.“ Die erfolgreiche Koexistenz von Rüstungsforschung und Artenschutz in Unterlüß zeigt: Mit Weitblick und Zusammenarbeit ist beides möglich. Rheinmetall beweist, dass moderne Verteidigungstechnologie und der Schutz seltener Arten kein Widerspruch sein müssen.
„Wir denken in Jahrzehnten, nicht in Jahren“, betont Mielich. „Wenn wir heute richtig handeln, können auch kommende Generationen das Birkhuhn in der Heide erleben.“ Der Schutz des Birkhuhns ist Teil eines umfassenden Nachhaltigkeitsverständnisses im Konzern. Auch an anderen Standorten realisiert Rheinmetall Maßnahmen zum Erhalt von Biodiversität und entwickelt sie kontinuierlich weiter. Was früher als Gegensatz erschien, wird heute als Chance verstanden: Natur schützen, wo Technik wirkt.
Mehr Informationen über den Rheinmetall-Konzern und seinen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen finden Sie hier.
Nachhaltigkeit in der Verteidigungsindustrie – ein Widerspruch? Keineswegs. Für Rheinmetall ist Corporate Sustainability strategischer Imperativ: vom Klimarisikomanagement über Compliance bis zur Lieferkettensorgfalt. Ein Blick hinter die Kulissen eines Konzerns, der Verantwortung neu definiert.
Der Dreiklang der Nachhaltigkeit
ESG – drei Buchstaben, die verantwortungsvolles Wirtschaften greifbar machen:
Environment umfasst den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen, etwa durch Klimaschutzmaßnahmen und den schonenden Umgang mit Ressourcen.
Social steht für soziale Verantwortung: faire Arbeitsbedingungen, die Wahrung von Menschenrechten und gesellschaftliches Engagement.
Governance beschreibt eine integre Unternehmensführung mit transparenten Strukturen und klaren ethischen Prinzipien.
Ist von Nachhaltigkeit die Rede, denken viele zuerst an Vorgaben aus Brüssel, Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie oder vielleicht auch vegetarische Wurst. Für Sabine Becker, Leiterin Corporate Sustainability bei Rheinmetall, geht es um etwas ganz anderes. „Wir beschäftigen uns intensiv mit der Stärkung der Resilienz unseres Konzerns. Zu diesem Ziel kann Nachhaltigkeit in all ihren Facetten sehr viel beitragen“, erklärt sie. „Wir blicken hinsichtlich der Klimafolgen weit voraus und ermitteln, mit welchen Auswirkungen unsere Standorte in den nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahren rechnen müssen. Sind die Werke angemessen auf Überflutungsgefahren, Temperaturänderungen oder Tornados vorbereitet?“ Im vergangenen Jahr haben die Nachhaltigkeitsexpertin und ihr Team die weltweiten Fertigungsstätten von Rheinmetall anhand von Geolokations- und Klimadaten analysiert. Künftig werden daraus Maßnahmen abgeleitet, mit denen bei Bedarf Vorkehrungen an den Standorten getroffen werden können.
Reputation ist ein hohes Gut
Doch zur Resilienz des Konzerns zählt noch weit mehr. Nachhaltigkeit fungiert dabei als systematisches Risikomanagement. Im Business-to-Government spiele die Reputation von Verteidigungsunternehmen eine gewichtige Rolle, wie Caroline von Buchholz, Corporate Sustainability Managerin, erklärt: „Wer Regierungen beliefern möchte, sollte auch auf seinen Ruf Acht geben.“ Dies betrifft nicht nur das eigene Unternehmen mit Exportkontrollen und Compliance, sondern auch die Lieferkette“, betont sie. Die Verantwortung endet nicht an den eigenen Werkstoren. Die Achtung von Gesetzen, Regeln und sozialen Werten wird auch von Lieferanten erwartet und durch Risikoanalysen überprüft. Dies ist übliche Praxis und stärkt letztlich die Zuverlässigkeit in der Lieferkette. Regelverstöße können zur Beendigung der Geschäftsbeziehungen führen.
Lieferketten unter der Lupe
Der Zentralbereich Corporate Sustainability steht diesbezüglich in engem Austausch mit dem Einkauf. Dort durchläuft jeder Lieferant von Rheinmetall eine systematische Analyse: Land, Branche, Risikopotenzial. Bei Auffälligkeiten erfolgt eine tiefere Prüfung. „ESG-Kriterien (siehe Kasten) sind längst Bestandteil jeder Vergabeentscheidung“, sagt Caroline von Buchholz. „Der Supplier Code of Conduct verpflichtet unsere Lieferanten zu Klimaschutz, Energieeffizienz und fairen Arbeitsbedingungen.“ Um das Thema konsequent voranzutreiben, hat der Einkauf in den letzten Jahren gezielt Expertise aufgebaut und neue Prozesse etabliert.
Ein Mammutprojekt namens CSRD
Und nicht nur mit dem Einkauf stehen sie in Kontakt: Compliance, Finance, Human Resources, Produktion, Konzernsicherheit und viele mehr – Nachhaltigkeit betrifft sämtliche Unternehmensbereiche. Gleichzeitig verfügt jede Division von Rheinmetall über Nachhaltigkeitsmanager, die sich explizit ESG widmen. Sowohl mit den Fachbereichen als auch den ESG-Managern der Divisionen arbeiten Sabine Becker und ihr Team zusammen – ein Netzwerk, das den gesamten Konzern durchzieht.
(Foto: iStock | MTStock Studio)
Wie gut die bereichsübergreifende Kooperation im Konzern funktioniert, erlebten sie bei der Einführung der neuen EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung: der Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD. „Uns stand für die Umsetzung des äußerst komplexen und interpretationsbedürftigen Regelwerks de facto nur wenig Zeit zur Verfügung“, erinnert sich Sabine Becker. Eine Mammutaufgabe. „Jede Division musste dafür berichtskonforme Daten liefern, die es in Teilen in dieser Form noch nicht gab“, sagt sie. Prozesse wurden neu aufgesetzt, Schnittstellen geschaffen. Regelmäßig waren neue Anwendungshinweise aus Brüssel zu beachten oder Umsetzungstipps zu diskutieren. Auch die Akquisitionen von Rheinmetall wie die Übernahme des US-Fahrzeugspezialisten Loc Performance Ende 2024 spielten eine wichtige Rolle. Denn auch hier galt: ESG-Daten und Zertifikate anfordern, aufbereiten und integrieren. „Das war für uns in Summe ein sehr spannender Prozess, weil die Richtlinie für alle großen Unternehmen in Europa erstmalig anzuwenden war und wir auf keine Erfahrungen zurückgreifen konnten“, so von Buchholz im Rückblick.
Und dann zerbrach die Ampelkoalition. Die deutsche Regierung brachte das Gesetz zur nationalen Umsetzung der CSRD nicht mehr durch den Bundestag. Rheinmetall stand vor der Entscheidung: Abwarten oder vorangehen? Der Konzern entschloss sich für Letzteres. „Wichtig zu erwähnen, dass wir das freiwillig getan haben“, betont von Buchholz. Was als regulatorische Pflicht begann, entwickelte sich zu einem strategischen Projekt, das wertvolle Erkenntnisse für die Resilienz des Unternehmens beisteuern kann.
Klimaschutz
Vom Emissionsmanagement bis zur Energieeffizienz: Rheinmetall setzt auf messbare Fortschritte. Ein Blick auf die zentralen Klimakennzahlen des Konzerns:
4,2 %
weniger Emissionen pro Jahr
1,7 %
jährliche Energieeinsparungen
2035
CO₂-Neutralität für Scope 1 und 2 (marktbasiert)
Strombezug aus externen nachhaltigen Quellen in Megawattstunden:
Die Menschen hinter den Zahlen
Rheinmetall wächst aktuell sehr stark, und mit der Expansion wachsen die Herausforderungen – nicht nur in der Berichterstattung. „Jeden Monat starten neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen“, so Becker. „Das Team von Human Resources leistet nicht nur viel im Recruiting, sondern widmet sich auch konsequent der Frage: Wie integrieren wir eine Vielzahl neuer Kolleginnen und Kollegen nachhaltig ins Unternehmen?“ Neue Beschäftigte lernen die Rheinmetall-Welt in Onboarding-Prozessen kennen. Bei Übernahmen begrüßt das Unternehmen die Belegschaften mit Welcome Days, die Corporate Communications organisiert.
„Die akquirierten Firmen bringen ihre eigene Kultur mit, ihre eigenen Prozesse, ihre eigenen Vorstellungen davon, wie ein Unternehmen nachhaltig wirtschaftet. Dass man am Ende zusammenwachsen kann, erfordert Engagement von allen und es ist immer schön, diesen Prozess zu erleben“, betont Sabine Becker.
Einen Großteil seiner Emissionseinsparungen realisiert der Konzern über den Einkauf von Grünstrom. (Foto: iStock | Adam Smigielski)
Schon in den nächsten Jahren will Rheinmetall seinen Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen decken. (Foto: iStock | eixeneize)
Zukunftsfähige Energienutzung
Daneben forciert der Bereich Corporate Sustainability gemeinsam mit dem Energiemanagement und den ESG-Managern der Divisionen ganz klassisch die Reduzierung von Treibhausgasemissionen im Unternehmen. Das Ziel ist ambitioniert: CO₂-Neutralität für Scope 1 und 2 bis 2035. Marktbasiert – das heißt, Rheinmetall nutzt für die Berechnung seines CO2-Ausstoßes in Scope 2 Daten seiner Energiezulieferer. Mit der selbst gesteckten Frist geht das Düsseldorfer DAX-Unternehmen über den EU-Zeitplan hinaus. Die Benchmarks sind gesetzt: 4,2 Prozent weniger Emissionen pro Jahr, 1,7 Prozent weniger Energieverbrauch. Klingt nach kleinen Schritten, ist aber eine gewaltige Aufgabe für einen Konzern dieser Größe. Alle großen Standorte müssen ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 einführen. Der Anteil des zertifizierten Energieverbrauchs konnte von 45 Prozent im Vorjahr auf über 70 Prozent Ende 2025 erhöht werden.
Klimafreundliche Wärmeversorgung: Am Standort Unterlüß setzt Rheinmetall mittlerweile auf Holzhackschnitzel-Heizkraftwerke, anderswo trägt das Unternehmen durch Fernwärme und Abwärmerückgewinnung zur Dekarbonisierung bei. (Foto: Rheinmetall)
Wider das Vergessen
Gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, erfordert den Mut, sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. In der Firmenchronik aus dem Jahr 2014 hat sich Rheinmetall erstmals mit seiner NS-Vergangenheit beschäftigt. Erinnern ist Zukunft – unter diesem Leitgedanken stand auch die von Borussia Dortmund (BVB) und Evonik organisierte Bildungsreise nach Oświęcim im Spätsommer 2025. Sabine Becker und Caroline von Buchholz von Rheinmetall folgten der Einladung des Partnerunternehmens BVB. Während des Besuchs der Gedenkstätte Auschwitz und in weiterführenden Workshops erfuhren die rund 40 Teilnehmenden, in welcher Form Industrieunternehmen wie die Evonik-Vorgängergesellschaften oder die damalige Rheinmetall-Borsig AG an den Verbrechen des NS-Regimes beteiligt waren und wirtschaftlich profitierten. Ihr Fazit: eine sehr bewegende Reise und ein wichtiges Bekenntnis zur gesellschaftlichen Verantwortung.
Der Bezug erneuerbaren Stroms hat sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. „Ein Großteil der Emissionseinsparung realisieren wir über den Einkauf von Grünstrom“, berichtet Becker. Das sei aktuell die günstigste und schnell umzusetzende Maßnahme. In den nächsten Jahren will Rheinmetall seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen decken. Doch es geht nicht nur um Strom. In manchen Werken heizen mittlerweile Holzhackschnitzel-Heizkraftwerke, anderswo wird Fernwärme genutzt oder Abwärme aus Lackierereien zurückgewonnen. „In den ersten Jahren waren unsere Energieziele noch relativ einfach zu erreichen“, erklärt die Corporate Sustainability-Verantwortliche. „Konzernweit haben wir mit den naheliegenden Maßnahmen begonnen: normale Glühbirnen durch LED ersetzt – das allein spart enorm viel Energie. Diese Quick Wins sind jetzt realisiert. Ab jetzt wird es anspruchsvoller“, so Becker.
Nachhaltigkeit im Wandel
Innerhalb seiner Branche zeigt Rheinmetall: Verteidigung kann nachhaltig sein, um resilient zu bleiben. Der DAX-Konzern arbeitet an Lösungen zur Versorgung der Streitkräfte mit Kraftstoffen auf E-Fuel-Basis. Ziel ist es, die Energieautarkie und Resilienz europäischer Streitkräfte nachhaltig zu stärken und zugleich einen Beitrag zur Stabilität der kritischen Energieinfrastruktur zu leisten. Weitere Projekte zur Unterstützung von mehr Unabhängigkeit sind bereits geplant: „Zusammen mit den Divisionen werden wir prüfen, inwieweit Kreislaufwirtschaft künftig für Rheinmetall relevant sein könnte“, berichtet Sabine Becker – sowohl bezogen auf die Produktion des Portfolios als auch mit Blick auf die Lieferkette von Materialien.
Sicherheit als Garant für Nachhaltigkeit
Lange mussten sich Unternehmen der Verteidigungsindustrie für ihre Produkte rechtfertigen. Seit dem Ukrainekrieg und der wachsenden Bedrohung Europas durch Russland ist ihre Relevanz nicht mehr wegzudiskutieren. Die öffentliche Wahrnehmung hat sich stark gewandelt. Sicherheit wird zunehmend als eine Voraussetzung dafür gesehen, dass Staaten und Gesellschaften sich nachhaltig entwickeln können. Denn: Ohne stabile Rahmenbedingungen sind Klima- und Umweltschutzschutz, Bildung und Wohlstand nicht möglich.
Sie kreisen über Flughäfen, spähen Militärstützpunkte aus und bedrohen kritische Infrastrukturen. In ganz Europa mehren sich Sichtungen verdächtiger Drohnen. Die Luftverteidigung vieler Staaten gerät dabei an ihre Grenzen. In Deutschland liegt das Problem weniger in der Technik als in der unklaren Rechtslage.
Mobile Flugabwehr
Der Skyranger ist ein hochmobiles hybrides Flugabwehrsystem gegen moderne Bedrohungen aus der Luft. Dank seiner Airburst-Munition (AHEAD-Technologie mit programmierbarem Luftsprengpunkt) ist das System besonders wirkungsvoll gegen kleine unbemannte Ziele wie Drohnen. Während die Kanone auf kurze Distanzen Vorteile bringt, kann mit dem integrierten Lenkflugkörper die Reichweite vergrößert werden. Als vernetztes und mobiles System ist eine Skyranger-Batterie auch problemlos in der Lage, einen Drohnenschwarm zu bekämpfen und so einen Sättigungseffekt bei einer großen Anzahl von Drohnen zu vermeiden. Mit Skynex bietet Rheinmetall eine stationäre Variante des Systems an.
„Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden.“ Mit diesen Worten umreißt Bundeskanzler Friedrich Merz die Sicherheitslage, in der sich Deutschland und Europa befinden. Wer hinten den unbemannten Drohnenangriffen steckt, lässt sich nur schwer ermitteln. Vieles deutet auf Russland, welches sie als ein Mittel der hybriden Kriegführung einsetzen könnte. Unumstritten ist jedoch, wie unzureichend der europäische Himmel nach wie vor gegen Bedrohungen wie diese geschützt ist. In Deutschland kommt ein weiterer Aspekt erschwerend hinzu. Auf die unsichtbaren Fronten im hybriden Krieg sind Politik, Streit- und Sicherheitskräfte, Gesellschaft und Justiz kaum vorbereitet. Je nachdem, um was für eine Drohne es sich handelt und welchen Luftraum sie verletzt, ist die Bundeswehr, die Landes- oder die Bundespolizei zuständig. Auch darf das Militär erst im Spannungs- oder Verteidigungsfall bewaffnet im Landesinneren agieren, nicht aber in Friedenszeiten. Bis dato hat eine entsprechende Gesetzesänderung im Parlament noch keine Mehrheit gefunden.
Auf die neue Qualität der hybriden Kriegsführung gibt es in der EU und NATO verschiedene Ansätze für ein ambitioniertes Vorhaben: Ein sogenannter Drohnenwall soll die Ostflanke Europas vor besatzungslosen Flugkörpern schützen. Ein solches mehrstufiges Abwehrsystem könnte aus Sensoren, Störsendern und Hightech-Kanonen bestehen.
Digitale Vernetzung steigert Effizienz
Damit stehen interoperable, hochmobile Systeme im Fokus, die sich flexibel dort einsetzen lassen, wo sie gebraucht werden. Oliver Dürr, Leiter der Division Electronic Solutions und Geschäftsführer der Rheinmetall Air Defence, erklärt: „Eine wirkungsvolle Drohnenabwehr bedingt eine umfassende Vernetzung aller Sensoren, Effektoren und beteiligten Einheiten. Nur so lassen sich Bedrohungen frühzeitig erkennen und bewerten, Befehlswege beschleunigen und Angriffe mit angemessener Intensität bekämpfen.“ Denn der sprichwörtliche Schuss mit Kanonen auf Spatzen kann im zivilen Umfeld mit höheren Risiken verbunden sein, als sie durch die Drohne selbst entstehen. Die Kunst liegt in der Verhältnismäßigkeit – und in der Geschwindigkeit der Reaktion. „Als Systemanbieter und einer der weltweit führenden Hersteller von Flugabwehrsystemen für den Nah- und Nächstbereich verfügen wir über umfassende Expertise in der Entwicklung entsprechender Lösungen.“
Skyranger Day 2024: Oliver Dürr, Leiter der Division Electronic Solutions und Geschäftsführer der Rheinmetall Air Defence, und sein Team präsentieren einem internationalen Kundenkreis aktuelle Flugabwehrtechnologien (Foto: Angela Blattner | Rheinmetall)
Die Gäste erlebten live, wie wirkungsvoll sich der Skyranger gegen kleine Ziele wie Drohnen einsetzen lässt. (Foto: Angela Blattner | Rheinmetall)
Tragbare Störsender wie der von der französischen Armee genutzte Nerod RF-Jammer sind nicht nur im militärischen Bereich ein effektives Mittel, um unbemannte Fluggeräte erfolgreich abzufangen. (Foto: Jan-Phillipp Weisswange | Rheinmetall)
Vielschichtige Flugabwehr
Drohnen sind leicht zu bekämpfen, da sie oft langsam und sehr niedrig fliegen. Dennoch gebe es keine allumfassende Abwehrtechnik, sagt Dürr. „Dafür sind sie zu unterschiedlich.“ Die Herausforderung liegt in der Erkennung kleiner Mini- und Mikrodrohnen sowie in der Abwehr von Schwarmangriffen. Wer in der Luftverteidigung erfolgreich sein will, muss laut Dürr mehrere Gegenmaßnahmen kombinieren. Das Arsenal reicht von elektronischen Störmaßnahmen (sogenannte Jammer) und Mikrowellen, über Jagd- und Rammdrohnen bis hin zu Rohrwaffen und Hochenergielasern. Auch moderne Lenkwaffen eignen sich, um die unbemannten Flugsysteme außer Gefecht zu setzen. Allerdings sind sie weitaus kostenintensiver als konventionelle Methoden.
Schutz ziviler Infrastrukturen
Im zivilen Bereich sind Störsender eine weit verbreitete Abwehrtechnik. Sie unterbrechen die Kommunikation zwischen der Drohne und ihrem Piloten. Die Fluggeräte lassen sich so entweder zur Landung zwingen oder „übernehmen“ – oder sie stürzen ab. Als schnell greifende Maßnahme haben manche Staaten ihr Militär zusätzlich mit speziellen Feuerleitvisieren für Handwaffen ausgestattet, um Drohnen durch gezielte Schüsse vom Himmel holen zu können. Andere Streitkräfte nutzen Schrotflinten, um die Flugobjekte aus kurzer Distanz abschießen zu können. Schrot verliert schnell an Geschwindigkeit und Energie. Das macht die Flinten für Einsätze im urbanen Umfeld weniger gefährlich als Schusswaffen mit Vollmantelprojektilen. Einige Munitionshersteller reagierten bereits und entwickelten eigene Drohnenabwehr-Laborierungen.
Kanonen gegen Schwärme
Und im klassischen militärischen Sektor? Hier überzeugen kanonenbasierte Flugabwehrsysteme wie der Skyranger von Rheinmetall – nicht nur hinsichtlich ihrer Effizienz und Zuverlässigkeit, sondern auch bezogen auf ihren Kosten-Nutzen. „Um die oft sehr günstigen Drohnen im Nahbereich wirtschaftlich zu bekämpfen, sind moderne Maschinenkanonen stark gefragt“, sagt Oliver Dürr. Noch in diesem Jahr soll die Ukraine den Skyranger mit der mittelkalibrigeren 35mm-Kanone erhalten. Weitere Skyranger 30-Systeme werden ab Mitte 2026 an verschiedene NATO- und EU-Staaten ausgeliefert. Darunter befindet sich auch die Bundeswehr, die 18 Serienfahrzeuge des Flugabwehrkanonenpanzers auf dem Fahrzeug Boxer geordert hat und seit Januar 2025 einen Prototypen erprobt. Die Beschaffung der neuen Defensivwaffe ist Teil der „European Sky Shield Initiative“. Außer Deutschland beteiligen sich weitere 23 europäische Staaten an dem Programm für eine flächendeckende Flugabwehr in Europa.
Wenn aus Fiktion Realität wird
„Neben elektronischen, Drohnen- und kanonenbasierten Abwehrtechniken werden zukünftig Laserwaffensysteme deutlich an Bedeutung gewinnen“, ist sich Alexander Graf, Leiter Programmmanagement Strahlenwaffen und Forschung & Technologie bei der Rheinmetall Waffe Munition in Unterlüß sicher. „So hat die deutsche Marine bereits Technologien erprobt, wie wir sie bislang nur aus Science-Fiction-Filmen kennen.“ Rheinmetall ist mit an Bord. Der Konzern investiert umfassend in die Entwicklung moderner Laserwaffensysteme und arbeitet gemeinsam mit europäischen Partnern an praxistauglichen Lösungen für den Einsatz bei Land- und Seestreitkräften.
Großes Potenzial im Kampf gegen Drohnen versprechen Hochenergie-Laser. Erste praxistaugliche Waffensysteme sind bereits in der Erprobung wie hier auf einer Fregatte der deutschen Marine. (Foto: Bundeswehr | BAAINBw)
„Systeme mit Leistungen von rund 30 Kilowatt und mehr gelten zukünftig als taktisch einsatzfähig – insbesondere zur Drohnenabwehr“, berichtet Graf. Gegenüber konventionellen Waffen bieten sie entscheidende Vorteile. Sie benötigen ausschließlich elektrische Energie. Steht ausreichend Strom zur Verfügung, feuern sie ihren Photonenstrahl nahezu unbegrenzt in Lichtgeschwindigkeit ab. Selbst kleine und agile Ziele wie die Sensoren von Drohnen trifft die Technik sicher und präzise aus bis zu mehreren Kilometern Entfernung. Da Laserwaffen keine physische Munition nutzen, fallen etwaige Kollateralschäden bei Einsätzen in urbanen Geländen äußerst gering aus. Auch die Kosten bleiben überschaubar: Sie liegen nur bei rund 1,50 Euro pro Schuss.
In der Abwehr von Drohnen kann Europa viel von den Erfahrungen der Ukraine lernen. Täglich zeigt sich dort, wie eine effektive Verteidigung heutzutage funktioniert: flexibel, mit modularer Technik und gestaffelten Systemen. Die Industrie hält entsprechende Lösungen bereit. Nun liegt es an der Politik.
Das RH1411-Artilleriegeschoss gehört zu den modernsten 155mm-Projektilen der Welt. Rheinmetall fertigt diesen Munitionstyp künftig in noch höherer Stückzahl. Ein genauerer Blick auf die Technik verrät, was dieses Produkt so erfolgreich macht.
Viele Namen, eine Geschossfamilie
Innerhalb der NATO sind 155mm-Geschosse das Standardkaliber der Artillerie. Diese Waffengattung spielt innerhalb des Verteidigungsbündnisses auch weiter eine tragende Rolle. Gemeinsam mit dem Munitionstyp RH1412 eignet sich dieses modular aufgebaute Geschoss für unterschiedliche Reichweiten. Neben klassischen Sprenganwendungen gibt es beispielsweise Leucht- und Nebelgeschosse.
„Full Shot“
Als einer der weltweit größten Hersteller von Großkalibermunition verfügt Rheinmetall über hohe Kompetenzen und Fertigungskapazitäten entlang der kompletten Wertschöpfungskette. Der Düsseldorfer Technologiekonzern liefert den „Full Shot“ aus einer Hand – angefangen beim Geschoss über den Zünder bis hin zur Treibladung.
Antwort auf globale Herausforderungen
Seit dem russischen Angriffskrieg ist der Bedarf an 155mm-Artilleriemunition drastisch gestiegen. Nicht nur die Ukraine benötigt sie zu ihrer Verteidigung. Auch die Streitkräfte der europäischen NATO-Staaten müssen ihre leeren Lager füllen, um im Ernstfall kriegstüchtig zu sein. Rheinmetall baut seine Produktionskapazitäten in Rekordtempo aus. Erst 2025 hat der Konzern in Unterlüß Europas größte Munitionsfabrik in Betrieb genommen. In Litauen entsteht aktuell ein Werk, Fertigungsstätten in der Ukraine und in Lettland sind bereits in Planung. Bis 2027 will Rheinmetall mit seinem globalen Produktionsnetzwerk, zu dem auch Fabriken in Spanien, Ungarn, Australien und Südafrika gehören, insgesamt 1,5 Millionen Artilleriegranaten pro Jahr fertigen.
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Robust und aerodynamisch[endif]==StartFragmentDie robuste Hülle aus hitzebehandeltem Schmiedestahl trotzt extremen Belastungen: Beim Abschuss hält das rund 80 Zentimeter lange und knapp 43 Kilogramm schwere Geschoss einem Druck von mehr als 3.000 bar stand, während es im Flug enormen Fliehkräften widersteht. Die stromlinienförmige Konstruktion folgt aerodynamischen Prinzipien. Der ogivale Kopf und das konische Heck reduzieren den Luftwiderstand auf ein Minimum. Das Geschoss ist mit verschiedenen Zündern kompatibel.
EndFragment
Bis zu 30 Prozent mehr Distanz[endif]==StartFragmentAm Geschossboden besitzt die RH1411 HE einen sogenannten Base-Bleed – einen Gasgenerator zur Bodensogreduktion. Der pyrotechnische Satz wird beim Abschuss aktiviert. Der Austritt der Verbrennungsgase reduziert den Unterdruck hinter dem Geschoss und verringert dadurch den effektiven Luftwiderstand. Damit lässt sich die Reichweite um mehr als 30 Prozent steigern.
EndFragment
Abschuss mit mehr als 900 Metern pro Sekunde[endif]==StartFragmentDie Treibladung ist der „Motor“ des Geschosses. Die Treibladungsmodule beinhalten ein spezielles Pulver aus Nitrocellulose, das beim Anzünden kontrolliert abbrennt. Dabei entstehen Gase, die sich mit hohem Druck ausbreiten und das Projektil mit enormen Geschwindigkeiten aus dem Geschützrohr treiben. Die Menge und Art der Treibladung beeinflussen die Reichweite.
EndFragment
Zielgerichtete DetonationStartFragmentDer Zünder an der Geschossspitze löst die Sprengladung aus. Je nach Art des Zünders detoniert die Granate bei Annäherung, beim Aufschlag oder verzögert nach Aufschlag. Standard bei Sprenggeschossen wie der RH1411 HE sind moderne elektronische Multifunktionszünder. Beim Verzögerungsmodus durchschlägt die Granate zunächst ihr Ziel und detoniert beispielsweise erst im Inneren. So lassen sich auch geschützte oder verstärkte Strukturen wirkungsvoll bekämpfen.
EndFragment
DIE RH1411 HE ARTILLERIEMUNITION IM DETAIL
Doppelte Zerstörungskraft[endif]==StartFragmentIm Inneren der Stahlhülle befindet sich der Sprengstoff, der bei RH1411-Geschossen mehr als 20 Prozent des Gesamtgewichts ausmacht. Moderne Artilleriegeschosse setzen auf Hochleistungssprengstoffe auf RDX-Basis. Je nach Explosionsstoff setzt die Detonation in Bruchteilen einer Sekunde den Energiegehalt frei und erzeugt dadurch eine Druckwelle. Gleichzeitig zersplittert der Geschosskörper in Tausende von Fragmenten, die im Ziel wirken. Beides zusammen macht die RH1411 zu einer der effektivsten konventionellen Munitionsarten der modernen Artillerie.
EndFragmentEndFragment
Präzise auf Kurs[endif]==StartFragmentDas Führungsband am Heck des RH1411-Geschosses garantiert Präzision und Flugstabilität. Beim Abschuss presst sich das Band kraftvoll in die spiralförmigen Rillen, die sogenannten Felder und Züge, im Innern des Geschützrohrs. Durch diese Art der Abdichtung wirkt nicht nur der volle Gasdruck auf das Geschoss. Das Band verleiht der Munition auch ihren charakteristischen Drall. Denn erst durch diese schnelle Rotation bleibt das Geschoss auf Kurs und erreicht sein Ziel mit beeindruckender Genauigkeit.
Abschuss mit mehr als 900 Metern pro Sekunde[endif]==StartFragmentDie Treibladung ist der „Motor“ des Geschosses. Die Treibladungsmodule beinhalten ein spezielles Pulver aus Nitrocellulose, das beim Anzünden kontrolliert abbrennt. Dabei entstehen Gase, die sich mit hohem Druck ausbreiten und das Projektil mit enormen Geschwindigkeiten aus dem Geschützrohr treiben. Die Menge und Art der Treibladung beeinflussen die Reichweite.
EndFragment
Gesellschaftliches Engagement, Fairness und Gesundheitsförderung: Die Partnerschaft von Rheinmetall und Borussia Dortmund ist weit mehr als klassisches Sportsponsoring. Caroline-Ann Schmitz, Vice President Corporate Health Solutions bei Rheinmetall, und Christian Diercks, Geschäftsführer der BVB Evonik Fußballakademie, blicken auf ein Jahr Kooperation zurück.
Gesundheitsmanagement
Bei Rheinmetall steht der Mensch im Mittelpunkt: Gesundheit ist nicht nur ein persönlicher Wert, sondern auch ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Unternehmen. Nur wer gesund, motiviert und gut ausgebildet ist, kann sein volles Potenzial entfalten – heute mehr denn je. Im Fokus steht dabei ein ganzheitliches, bedürfnis- und zielgruppenorientiertes Konzept mit dem Ziel, die physische, mentale, emotionale Gesundheit und Fitness sowie das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu fördern. Somit trägt Gesundheitsmanagement nicht nur zur Gesundheit und Zufriedenheit für alle bei, sondern stärkt auch die Unternehmenskultur und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz.
Was macht die Zusammenarbeit mit dem BVB für Rheinmetall so besonders? Caroline-Ann Schmitz: Wir arbeiten mit Borussia Dortmund in ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen – weil es viele Berührungspunkte und gemeinsame Werte gibt. Bei Rheinmetall betreiben wir seit mehr als einem Jahrzehnt ein umfassendes Gesundheitsmanagement mit den entsprechenden Strukturen. Das bedeutet: Wir fördern unter anderem aktiv die physische und mentale Gesundheit unserer Mitarbeitenden – und zwar ganzheitlich. Die Kooperation mit dem BVB ergänzt unsere Arbeit da ideal.
Christian Diercks: Borussia Dortmund ist weit mehr als eine Profimannschaft – über 1.200 Mitarbeitende bringen ihre Expertise ein. Diese Vielfalt macht unsere Partnerschaften so stark. Wir arbeiten nicht ‚nach Schema F‘, sondern entwickeln individuelle Lösungen, abgestimmt auf die Bedürfnisse unserer Partner. Dabei fragen wir uns immer: Wie können wir als Klub gesellschaftlich wirken? Und wie können wir gemeinsam mit unseren Partnern Impulse setzen?
Die Partnerschaft besteht nun seit gut einem Jahr. Was waren für euch die schönsten gemeinsamen Momente? Caroline-Ann Schmitz: Schwer zu sagen – ich finde jedes unserer Projekte großartig. Besonders am Herzen liegen mir die Azubi-Gesundheitstage. Zum Ausbildungsstart organisieren wir gemeinsam mit dem BVB und weiteren Partnern Projekttage rund um Bewegung, mentale Stärke und gesunde Ernährung. Wenn wir als Unternehmen diese Themen vermitteln, ist das schon wertvoll. Aber wenn Christian Diercks mit seinem Team von der BVB Evonik Fußballakademie dabei sind, bekommen die Inhalte eine ganz andere Strahlkraft. Und wenn ehemalige BVB-Profis per Videobotschaft Glückwünsche senden und betonen, wie wichtig es ist, körperlich und mental fit zu bleiben – dann erreichen wir unsere Azubis auf einer viel tieferen Ebene.
Ziel der BVB Evonik Fußballakademie ist es, Fußballbegeisterten jeglichen Alters – unabhängig von ihrem Leistungsniveau – Spaß am Sport zu vermitteln, exzellente Förderung auch im Kinderfußball zu betreiben und den Unterbau zum Nachwuchsleistungszentrum zu stellen, aber auch in die Gesellschaft wirken zu können. Mit einem globalen Netzwerk aus 52 Akademien und Partnern, teils in Kooperation mit ehemaligen oder aktuellen BVB-Profis in ihren Heimatländern, fördert die Akademie nicht nur sportliche Fähigkeiten, sondern auch persönliche Entwicklung, Teamgeist und soziale Kompetenzen. Sie steht damit für das, was Borussia Dortmund über den Profifußball hinaus ausmacht: gesellschaftliches Engagement und die Vermittlung von Werten auf und neben dem Platz.
Christian, was war dein persönliches Highlight? Christian Diercks: Besonders bewegend war der Besuch des Blau-Gelben Kreuzes mit ukrainischen Kindern aus Charkiw, Cherson und Saporischschja. Sie mussten ihre Heimat wegen des russischen Angriffskriegs verlassen. Mit einem Erlebnistag in Dortmund wollten wir gemeinsam mit Rheinmetall ein Zeichen setzen – und den Kindern ein Stück Normalität und Freude schenken. Die Partnerschaft hat es möglich gemacht, diesen jungen Menschen eine kleine Auszeit zu geben. Das zeigt, welchen gesellschaftlichen Mehrwert wir gemeinsam schaffen können.
Rheinmetall betreibt nicht erst seit gestern Gesundheitsmanagement. Welche neuen Perspektiven bringt der BVB durch die Partnerschaft ein? Caroline-Ann Schmitz: Als verantwortungsvoller Arbeitgeber liegt uns die Gesundheit unserer Mitarbeitenden sehr am Herzen. Auch Bewerberinnen und Bewerber fragen gezielt nach Gesundheitsangeboten. Die Partnerschaft mit dem BVB eröffnet uns neue Möglichkeiten: Unsere Gesundheitstage und -aktionen, die wir seit Jahren veranstalten, bekommen durch die Präsenz prominenter BVB-Legenden, von Trainern oder Ernährungsexperten Experten eine ganz neue Dynamik. Sie bringen nicht nur Fachwissen mit, sondern sorgen auch für eine enorme Aufmerksamkeit. So erreichen wir auch jene, die sich bisher wenig mit dem Thema Gesundheit beschäftigt haben.
Ihr arbeitet nicht nur mit Profis und solchen, die es werden wollen, sondern im Rahmen der BVB Evonik Fußballakademie auch mit Kindern und Jugendlichen im Breitensport. Das sind allesamt Menschen, die ohnehin Spaß am Sport haben. Aber wie gelingt es Erwachsene zu motivieren, vielleicht sogar Sportmuffel anzusprechen? Christian Diercks: Kinder und Jugendliche lassen sich leichter begeistern – das stimmt. Aber auch bei Erwachsenen ist eine emotionale Ansprache entscheidend. Wir wollen Sport – nicht nur Fußball – positiv besetzen. Unsere Profis und Trainer sind glaubwürdige Botschafter. Mit dem BVB-Logo auf der Brust genießen sie sofort hohe Akzeptanz. Ich war kürzlich in Australien, wo wir mit der German International School Sydney kooperieren. Dort habe ich erlebt, wie selbstverständlich Menschen aller Altersgruppen morgens Sport treiben – mit einem Lächeln im Gesicht. 80-Jährige, die am Strand gemeinsam Yoga machen – das hat mich tief beeindruckt. Ich dachte: Genau das möchte ich auch hier erreichen. Bewegung soll nicht als Pflicht empfunden werden, sondern als etwas Schönes.
Hat sich durch die Kooperation mit dem BVB die Aufmerksamkeit und Akzeptanz eurer Gesundheits-Angebote verändert? Caroline-Ann Schmitz: Definitiv. Sport motiviert nicht nur körperlich, sondern fördert auch Zusammenhalt, Teamgeist und Resilienz – soziale Kompetenzen, die im Arbeitsalltag enorm wichtig sind. Wenn ein BVB-Experte oder eine Vereinslegende bei uns einen Vortrag hält, sorgt allein der Name für Aufmerksamkeit. Viele kommen vielleicht zunächst, um die Person zu erleben – und hören dann ganz nebenbei einen Vortrag über Gesundheit. Wenn das der Türöffner ist, haben wir unser Ziel erreicht. Wie Christian sagte: Es geht darum, dass Menschen aus eigener Motivation heraus Verantwortung für ihr Wohlbefinden übernehmen. Wir bieten Strukturen und Strategien – aber die Selbstverantwortung muss wachsen.
Ein bewusst niedrigschwelliges Angebot ist unser Triathlon ‚Rh Active‘. Dabei geht es nicht um die Leistung, sondern die mit Bewegung verbrachte Zeit. Wir suchen also an unseren Standorten weltweit das Team, das die meisten Minuten in einer, zwei oder allen drei Disziplinen verbringt – geht, schwimmt oder radelt. Die zurückgelegte Strecke oder das Tempo sind völlig unerheblich. Die drei erfolgreichsten Standorte erhalten Pokale, die unsere Azubis selbst hergestellt haben. Die Geldpreise kommen direkt dem Gesundheitsmanagement am jeweiligen Standort zugute. Absolutes Highlight: Der BVB richtet für den Sieger ein auf den Standort zugeschnittenes Event vor Ort aus. Wenn das keine Motivation ist!
Verantwortung übernehmen: Rheinmetall und der BVB (Foto: BVB)
Rheinmetall und BVB setzen Zeichen der Wertschätzung für Menschen, die sich besonders engagieren: 75 Veteraninnen und Veteranen zu Gast in Dortmund (Foto: Rheinmetall)
Woran macht ihr bei Rheinmetall den Erfolg eures Gesundheitsmanagements fest? Gibt es Kennzahlen, anhand derer sich dies messen lässt? Caroline-Ann Schmitz: Rheinmetall wächst stark – die Nachfrage nach unseren Produkten ist hoch, die Auslastung entsprechend intensiv. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach unseren Gesundheitsangeboten. Ich sehe darin ein Umdenken: Unsere Mitarbeitenden erkennen, dass Gesundheit ihr wichtigstes Gut ist. Und das ist ein zentraler, sehr erfreulicher Aspekt.
Christian Diercks: Es geht darum, Perspektiven zu verändern. Wir sehen, dass wir als Borussia Dortmund nicht nur als Klub erfolgreich sind, sondern auch in der Lage, Themen so zu platzieren, dass Menschen ihre gewohnten Verhaltensmuster verlassen. Wenn wir es schaffen, Bewegung und Gesundheit nicht als lästige Pflicht, sondern als Chance zu vermitteln, dann sind wir erfolgreich, dann leisten wir einen echten Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung, die wir tragen.
Wärt ihr mit diesem Fazit einverstanden? Gesundheitsförderung funktioniert dann besonders gut, wenn sie Menschen berührt – mit glaubwürdigen Botschaftern, authentischen Geschichten und einem gemeinsamen Ziel: Verantwortung zu übernehmen für eine gesündere Gesellschaft. Caroline-Ann Schmitz: Das würden wir beide unterschreiben. Christian Diercks: Absolut!
Erste Produkte exportiert Rheinmetall bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Heute erwirtschaftet der Technologie- und Rüstungskonzern rund 70 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Ein Exkurs durch die bewegende Geschichte der Internationalisierung von Rheinmetall.
Begehrtes Schnellfeuergeschütz
Während sich die deutsche Heeresleitung um 1900 zunächst gegen eine Beschaffung des innovativen Rohrrücklaufgeschützes von Rheinmetall entscheidet, ist die 7,5cm-Feldkanone (siehe Bild oben) international gefragt. Neben Norwegen und den USA zählt unter anderem Großbritannien zu den ersten Abnehmern. Der Vorteil: Die Soldaten müssen das Geschütz nach einem Schuss nicht mehr neu ausrichten, was gegenüber starren Feldkanonen eine weitaus höhere Schussfolge pro Minute ermöglicht.
Made in Germany
Bereits während der ersten Globalisierung Ende des 19. Jahrhunderts ist Deutschland auf den Weltmärkten eine der aktivsten Volkswirtschaften. Aus dieser Zeit stammt das Label „Made in Germany“. Was die britische Regierung 1887 ursprünglich zum Schutz der eigenen Industrie einführte, ist heute ein weltweit geschätztes Siegel für Qualität.
Die Welt zu Gast in Unterlüß
Der 1899 eigens für Auslandskunden errichtete Schießplatz in Unterlüß entwickelt sich schnell zur Bühne für hochrangige Militärs aus der ganzen Welt. Selbst eine chinesische Delegation besucht das Erprobungsgelände, um sich vor einer etwaigen Auftragserteilung live von der Qualität der Rheinmetall-Produkte zu überzeugen.
1929
erwirbt Rheinmetall in der Schweiz und den Niederlanden erste eigene ausländische Beteiligungen. Dort fertigt und vertreibt das Unternehmen diejenigen Waffen, für die der Konzern im Deutschen Reich aufgrund des Versailler Vertrags keine Produktionsgenehmigung besitzt. Über neun Jahrzehnte später ist der Technologiekonzern weltweit in 32 Ländern mit Tochtergesellschaften, Joint Ventures und Beteiligungen aktiv.
Während des Ersten Weltkrieges und in den 1920er Jahren bricht der Export ein. Nach der Übernahme des Werkes Tegel aus dem Besitz der Familie Borsig im Jahr 1933 erweitert sich das Portfolio um ein umfangreiches Maschinenbaugeschäft. Heizkesselanlagen, Kältetechnik und Verdichter zählen zu den neuen Produkten, für die Rheinmetall viele Aufträge aus dem Ausland erhält. Gleichzeitig steigen die Rüstungsexporte. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten beliefert Rheinmetall-Borsig vor allem verbündete Staaten wie Japan, Rumänien, Italien oder das offiziell neutrale Spanien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg dominieren zunächst der zivile Maschinenbau und die Elektrotechnik das Auslandsgeschäft. Nach den Übernahmen von Pierburg (1986) und Kolbenschmidt (1997) und der strategischen Ausrichtung auf den Automotive-Markt erreicht die internationale Präsenz von Rheinmetall eine neue Dimension. Der Export wehrtechnischer Güter bleibt aufgrund des Kriegswaffenkontrollgesetzes (KWKG) bis zum Ende des Kalten Krieges gering. Neben dem Hauptkunden Bundeswehr ordern bis 1991 hauptsächlich NATO-Staaten bei dem Düsseldorfer Rüstungs- und Technologiekonzern.
Exportschlager HS 820
Eines der Produkte, das in dieser Zeit größere Erfolge im Ausland feiert, ist die 20mm-Kanone HS 820. Weiterentwickelt zur Rh 202 leistet das Geschütz ab 1964 als Bordkanone auf Schützenpanzern, Schiffen und in Hubschraubern wirkungsvolle Dienste. Von 1967 an ist die Kanone auch bei den US-amerikanischen Streitkräften im Einsatz.
51%
erreicht der Anteil der Verteidigungstechnik am Gesamtexport erstmals im Jahr 1998. Das Portfolio wächst: Neben Gewehren, Munition und Geschützen fertigt Rheinmetall seit 1992 Landfahrzeuge, seit 1997 wehrtechnische Elektronik und seit 1999 Produkte für die Luftabwehr. Heute gehört der weltweit tätige Konzern zu den größten Rüstungsunternehmen Europas.
Hinter jeder olympischen Medaille steht mehr als nur außergewöhnliches Talent und eiserne Disziplin. Der Weg zur Weltspitze wird entscheidend durch gezielte Förderung und starkes Sponsoring geebnet. Dank ihrer gewinnbringenden Partnerschaften mit Wirtschaftsunternehmen wie Rheinmetall schreibt die Sportstadt Düsseldorf seit Jahren Erfolgsgeschichten – vom Rhein über Paris nach Los Angeles.
Bei den Olympischen Spielen in Paris haben die deutschen 3×3-Basketballerinnen Gold gewonnen – für Deutschland die erste olympische Basketball-Medaille überhaupt.
Bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris gewann das deutsche 3×3-Damen-Team sensationell die Goldmedaille. Damit rückte die bis dahin eher unbekannte Sportart schlagartig ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Zu den Hochburgen des 3×3-Basketballs in Deutschland zählt die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt – mit Rheinmetall als Sponsor. Fast drei Jahre lang haben sowohl die Damenmannschaft der Düsseldorf ZOOS als auch das Herrenteam von Düsseldorf LFDY von dem Engagement des Traditionskonzerns profitiert. Vertraglich vereinbart hat Rheinmetall sein Sponsoring mit D.SPORTS, der Sportmarketing-Plattform der Landeshauptstadt. Inzwischen sind die Blicke innerhalb des Spitzensports klar auf Los Angeles gerichtet. 2028 ist Flag Football, eine Sportart ähnlich dem American Football, erstmals Teil des olympischen Programms. Über das Damenteam der Düsseldorf Firecats unterstützt Rheinmetall gleich vier Nationalspielerinnen auf ihrem Weg zu Olympia in Kalifornien.
Weltklasseniveau aus Düsseldorf
Zu den weiteren Aushängeschildern der „Sportstadt Düsseldorf“ zählt etwa der Tischtennisbundesligist Borussia Düsseldorf mit Ikone Timo Boll als prominentestem Athleten im Rückschlagsport. Für den 44-jährigen ehemaligen Weltranglistenersten waren die Olympischen Spiele in Paris bereits die siebten, bei denen er für Deutschland an den Start gehen durfte. Auf das sportliche Großereignis im Nachbarland blickt er mit gemischten Gefühlen zurück: „Dass wir im Viertelfinale ausgeschieden sind, war schon hart für mich. Die Enttäuschung direkt nach dem Match, mit dem eigenen Spiel nicht ganz zufrieden zu sein und dass sich die harte Arbeit nicht wie erhofft ausgezahlt hat, war da.“ In Paris endete für Boll auch seine Tischtenniskarriere in der Nationalmannschaft. „Bei den Sprechchören hat es mich dann brutal übermannt. Auch wenn es natürlich sehr schön war, so viel Feedback vom Publikum zu bekommen.“ Für Alexander Schilling, Geschäftsführer von Borussia Düsseldorf, hat das Sponsoring eine enorme Bedeutung: „Die Unterstützung von Unternehmen wie Rheinmetall ermöglicht es uns, finanzielle Mittel zu sichern, die für die Entwicklung des Teams, für die Förderung von Talenten und für die Durchführung von Veranstaltungen benötigt werden.“ Darüber hinaus stärke die Partnerschaft mit renommierten Unternehmen das Image des Vereins und erhöhe dessen Attraktivität für weitere Sponsoren, heißt es bei dem Tischtennisclub.
Regionale Sportförderung: Rheinmetall unterstützte die Düsseldorfer Streetball-Profi-Teams der Damen und Herren (Foto: D.Sports) …
… und sponsort unter anderem den achtmaligen deutschen Eishockeymeister Düsseldorfer EG. (Foto: Düsseldorfer EG)
Rheinmetall fördert regionalen Spitzensport
Der Düsseldorfer Technologiekonzern ist bereits seit mehr als 130 Jahren in der Landeshauptstadt ansässig und engagiert sich in vielfacher Weise im Bereich des regionalen Spitzensports. Seit der Eishockeysaison 2024/25 ist Rheinmetall auch Premiumpartner der Düsseldorfer EG, einer der traditionsreichsten deutschen Eishockeyclubs. Derzeit muss die DEG mit dem Abstieg aus der Deutschen Eishockey Liga, zu deren Gründungsmitgliedern der Verein gehört, einen herben sportlichen und wirtschaftlichen Rückschlag verkraften. Um die Neustrukturierung zu organisieren und diese schwierige Phase zu managen, haben die DEG-Gesellschafter zwei ehemalige Profis als neue Geschäftsführer berufen: Andreas Niederberger und Rick Amann. Beide wurden mit dem Club jeweils mehrfach Deutscher Meister. Der erfolgreiche Ex-Verteidiger Niederberger glaubt fest an die Rückkehr der DEG: „Mit Partnern wie Rheinmetall an unserer Seite haben wir nicht nur die wirtschaftliche Grundlage, sondern auch die nötige Strahlkraft, um neue Impulse zu setzen.“
Die Kooperation mit Rheinmetall geht über klassisches Sponsoring hinaus. Indem D.SPORTS und Rheinmetall den Spitzensport in der Stadt unterstützen, profitieren auch der Breitensport und die Sportkultur in der Stadt. Timo Boll, der künftig verstärkt in der Talentförderung aktiv sein möchte, bringt es auf den Punkt: „Manchmal entscheidet nicht nur Talent, sondern auch, wer an dich glaubt. Solche Partner sind für den Sport Gold wert.“
Mehr Informationen zum gesellschaftlichen Engagement von Rheinmetall sind hier zu finden.
Was haben eine sowjetische Raumkapsel, eine japanische Standheizung und ein amerikanischer Brennstoffzellen-Lastwagen mit einem polnischen Plattenspieler gemeinsam? Die Antwort auf diese nur scheinbar schwierige Frage lautet: In allen können Elektromotoren des Rheinmetall-Werkes in Hartha stecken.
Rheinmetall Power Systems
Gegründet 1922, gehört das Werk in Hartha seit 1992 zur heutigen Division „Power Systems“ der Rheinmetall AG.
Geschäftsfelder
Das Werk in Hartha entwickelt und produziert elektrische Pumpen und Motoren in verschiedenen Leistungsbereichen und für unterschiedliche Aufgaben in der Fahrzeugtechnik sowie darüber hinaus. Daneben stehen neue Technologien aus den Bereichen Mobilität, Digitalisierung, Home Automation oder Energie im Fokus.
Vom früheren Volkseigenen Betrieb zum international gefragten Automobilzulieferer
240
Mio. EUR hat Rheinmetall seit der Übernahme des Werkes im sächsischen Hartha in die Modernisierung des Standorts investiert.
Seit über 100 Jahren werden in der gerade einmal 7.000 Einwohner zählenden sächsischen Kleinstadt Hartha Elektromotoren hergestellt. Über das vergangene Jahrhundert hat sich hier in den Bereichen Entwicklung und Fertigung eine umfassende Erfahrung für allen Arten und Größen von Elektromotoren aufgebaut, die in unterschiedlichsten Produkten und Industrien zum Einsatz kommen. Neben seinen Technologien für Verbrennungsmotoren ist das Werk deshalb auch in Sachen Elektromobilität absolut auf der Höhe der Zeit. Aber nicht nur dort!
Ein Beispiel deutscher Geschichte
Gleichzeitig ist die Historie des Traditionsstandortes im Dreieck zwischen Chemnitz, Dresden und Leipzig ein Spiegel der deutschen Geschichte. Gegründet im Jahr 1922, in einer wirtschaftlich turbulenten Zeit, hatte schon der Zweite Weltkrieg das Produktportfolio des Werkes beeinflusst und die Überführung in einen volkseigenen Betrieb in der früheren DDR tat ein Übriges. Hartha wurde schnell zu einem der wichtigsten und größten Elektromotorenhersteller jenseits der Elbe. Mit bis zu 3.200 Mitarbeitern an neun Produktionsstätten versorgte ELMO – mit damaligem vollem Namen der VEB Elektromotorenwerk Hartha Sachsen – zudem auch den früheren Ostblock mit Elektromotoren. Aus dieser Zeit stammt auch eine besondere wehrtechnische Facette des Standortes, der seinerzeit unter größter Geheimhaltung auch Aufträge für die Nationale Volksarme ausführte und sogar für die sowjetische Raumfahrt Elektromotoren zum Justieren von Kameras in Raumkapseln und Satelliten herstellte.
Breites Produktspektrum
So ist die Liste der Innovationen und Komponenten „made in Hartha“ nahezu abendfüllend. Um nur einige wenige zu nennen, erstreckt sie sich seit Mitte der 1990er Jahre von Vakuumpumpen und Motoren für elektrische Kraftstoffpumpen über Kunststoffsaugrohre, elektrische Drosselklappensteuerungen, Antriebe für Lkw-Abgasrückführsysteme sowie Sekundärluftpumpen bis zu den aktuellen Wasserumwälz- und Kühlmittelpumpen. Hinzu kommen Produkte für die Elektromobilität und neue Antriebssysteme, wie ein Wasserstoffrezirkulationsgebläse für Brennstoffzellen sowie eine überaus leistungsstarke elektrische Kühlmittelpumpe mit 2.000 Watt.
Wie ein Phönix aus der Asche
Seit der Übernahme durch den Rheinmetall-Konzern Mitte 1992 hat sich der buchstäblich am Boden liegende Standort nach der Wende kontinuierlich positiv entwickelt. Die Rheinmetall-Tochter Pierburg investierte nachhaltig in die Sanierung renovierungsbedürftiger Gebäude und stellte den Maschinenpark neu auf. „Wir sind stolz auf das Wachstum und die nahtlose Einbindung in unsere Unternehmensgruppe, die sich unter den wechselnden Führungsmannschaften entwickelt haben“, sagt Mario Schäfer, der das sächsische Werk seit 2017 leitet. Für den Produktionsspezialisten ist dabei besonders auch die Integration seines Standortes in die Entwicklungsaktivitäten des Konzerns von Bedeutung. „Wir haben in Hartha mit unserer geschulten Mannschaft vor Ort und in Zusammenarbeit mit unserer Zentralentwicklung in einem nicht unerheblichen Anteil Produkte auf die Beine gestellt, die heute einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Standortes und der gesamten Unternehmensgruppe leisten und auch in Zukunft leisten werden. Zu diesem Zweck haben wir allein in diesem Bereich in Hartha ein 51 Köpfe zählendes Team. Sie machen mehr als ein Achtel der gesamten Belegschaft aus. Das veranschaulicht zusätzlich zu unserem Know-how in der Fertigung einen weiteren Schwerpunkt dieses Standortes.“
Von kleinen Anfängen wuchs in Hartha nicht nur der Umsatz, sondern auch die Gebäudestruktur, denn neue Produkte benötigten bald auch neue Produktionshallen. Dies teilweise sogar mit einer aufwändigen elektromagnetischen Koppelung des Hallenbodens, durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter permanent geerdet werden, um die empfindlichen Leiterplatten und elektrischen Schaltkreise nicht durch überspringende Funken zu beschädigen.
Extrem hohe Qualitätsansprüche der Kunden aus der Automobilindustrie sowie anderen Branchen machen eine fortlaufende Qualitätskontrolle und gegebenenfalls eine Nachbearbeitung unabdingbar. Einsteller Steffen Scheinost an einem eigens dafür eingerichteten Nachbearbeitungsplatz für die in Hartha entwickelte Wasserumwälzpumpe (WUP). (Foto: Rheinmetall)
Wasserumwälzpumpe wird Erfolgsprodukt
Unter anderem entwickelten die Harthaner gemeinsam mit ihren Kollegen aus der Zentrale in Neuss die „WUP“, eine elektrisch kommutierte Wasserumwälzpumpe, die keine verschleißanfälligen Bürsten benötigt. Diese äußerlich unscheinbare, aber in weiten Bereichen einsetzbare Komponente mauserte sich schnell zum Millionseller. Mittlerweile läuft bereits die vierte weiterentwickelte Generation des kleinen Tausendsassas in der weitgehend automatisierten sächsischen Fertigung vom Band und hat die Gesamtstückzahl von 100 Millionen bereits überschritten. Außerdem wurde Hartha schon 2004 zum zentralen Fertigungsstandort für eine elektrisch angetriebene Kühlmittelpumpe – zur damaligen Zeit eine Weltneuheit im Automobilsektor. Sie ermöglicht eine bedarfsgerechte Steuerung des Kühlmittelstroms im Motor und ist heute nicht zuletzt angesichts immer schärfer werdender Abgasvorschriften ein international gefragtes Produkt. Darüber hinaus findet sie auch in neuen Antriebsformen Verwendung.
Ein weiterer positiver Effekt der Erfolgsgeschichte des Werkes zeigt sich auch im Anstieg der Beschäftigtenzahl. Heute zählt das Werk 360 Mitarbeitende, wobei aktuelle und künftige Produkte hier womöglich noch Luft nach oben ermöglichen könnten.
Moderne elektrische Kühlmittelpumpen verfügen über ein kompliziertes Innenleben mit umfangreicher Steuerung. Dazu verwendete Elektronikbauteile für Pumpen mit 400 Watt Leistung liegen bereit für den Einsatz im Produktionsprozess. (Foto: Rheinmetall)
Eine eigene Instandhaltung – hier Mitarbeiter Max Funk bei Schweißarbeiten – trägt zur hohen Verfügbarkeit der Anlagen am sächsischen Standort bei. (Foto: Rheinmetall)
Bedeutender Zulieferer
Der Standort ist heute nicht nur ein überaus wichtiger Zulieferer für die Automobilindustrie. Produkte aus der sächsischen Kleinstadt finden sich außer in Antriebssträngen beispielsweise auch in Standheizungen sowie in Elektronik- oder Sitzkühlungen. Zusätzlich zu diesem traditionellen Portfolio treibt das Werk immer wieder eine umfassende Transformation seines Produktspektrums voran. Die Harthaner haben dabei auch neue Technologien aus den Bereichen Mobilität, Digitalisierung, Home Automation oder Energie im Fokus.
Aber der sprichwörtliche sächsische Erfindergeist und die permanente Zukunftsorientiertheit der Mannschaft gehen noch weiter. So katapultieren seit kurzem innovative Kleinstkondensatoren als jüngstes Produkt aus Hartha das Werk in eine vollkommen neue Ära und verhelfen ihm zu einem Riesenvorsprung vor seinen weltweiten Wettbewerbern. Dazu wurden am Standort mehrere Millionen Euro in eine neue Produktionshalle nebst entsprechenden Fertigungsanlagen investiert. Letztere übrigens die Einzigen ihrer Art außerhalb der USA.
In der neuen Kondensatorfertigung produziert eine hochmoderne NanoLam-Anlage einen Teppich von Kleinst-Wechselrichtern. Mitarbeiter Axel Czychon beim sogenannten Ernten der ultradünnen Laminate. (Foto: Rheinmetall)
„Die Einsatzgebiete für unsere zukunftsweisenden Kondensatoren sind absolut vielfältig“, betont Mario Schäfer. Mit seiner umfassenden Erfahrung als Produktionsleiter am Standort „Hafenmole“ in Neuss leitet er seit 2017 das Werk in Hartha. (Foto: Rheinmetall)
Vom Land Sachsen gefördert
Diese international herausragende Sonderstellung registrierte auch der Freistaat Sachsen und beschloss, die Herstellung der neuen zukunftsweisenden Produkte mit sieben Millionen Euro zu bezuschussen. Die winzigen technischen Wunderwerke bestehen aus tausenden mikroskopisch kleinen Nano-Schichten und sind am Ende gerade einmal so groß wie eine Streichholzschachtel. „Die Einsatzgebiete für unsere Kondensatoren, die hauptsächlich in Wechselrichtern verwendet werden, sind nicht zuletzt aufgrund ihrer geringen Größe absolut vielfältig“, weiß Mario Schäfer, „denn überall, wo Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt werden muss, können unsere extrem platzsparenden Komponenten genutzt werden. Außerdem sind wir mit unserem vorhandenen Maschinenpark in der Lage, auch größere Hochvolt-Kondensatoren ganz nach Kundenwunsch zu produzieren.“
Die Verwendungsmöglichkeiten für diese im Gesamtspektrum des Werkes neuen Produkte erstrecken sich denn auch von Solar- und Windkraftanlagen über die Automobiltechnik bis zur Luft- und (wieder) der Raumfahrt. Hinzu kommen zahlreiche weitere Bereiche der Industrie. Das vermittelt nachhaltige Zuversicht für die zukünftige Entwicklung. „Wir verfügen in Hartha über umfangreiche Kompensationsmöglichkeiten und ein innovatives Produktspektrum“, so der Werkleiter, „die uns in die Lage versetzen, selbst angesichts der aktuell nicht einfachen Zeit in der weltweiten Automobilindustrie unsere gute Marktposition zu behaupten und auszubauen.“ Kein Wunder also, dass das Rheinmetall-Werk im sächsischen Hartha seinen Standort seit Mitte der dreißiger Jahre an der heutigen Sonnenstraße hat. „Nomen“ ist eben nicht nur sprichwörtlich „Omen“.
Auf Initiative von Rheinmetall erlebten 59 ukrainische Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Betreuern vom deutsch-ukrainischen Verein Blau-Gelbes Kreuz e. V. einen besonderen Tag: Sie besuchten die BVB-Evonik-Fußballakademie.
Bis Kriegsausbruch lebten die 7- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen noch alle in der Ukraine. Nach ihrer Flucht haben sie mit ihren Familien in Nordrhein-Westfalen ein neues Zuhause gefunden. Um ihnen ein paar unbeschwerte Stunden zu bereiten, haben Rheinmetall und der BVB in das Fußball-Camp im Signal Iduna Park eingeladen. (Foto: Blau-Gelbes-Kreuz e. V.)
Vom Treffpunkt in Köln ging es mit BVB-Mannschaftsbussen nach Dortmund, wo am Signal Iduna Park bereits eine Überraschung auf die Gäste wartete. Roman Weidenfeller, Fußball-Weltmeister von 2014 und langjähriger BVB-Torwart, begrüßte die Gruppe – inklusive Selfie- und Autogrammstunde. Nach dem Mittagessen und einer Führung durch Deutschlands größtes Stadion begann für die Mädchen und Jungen in neuer Sportbekleidung des BVB das Training in der Akademie: passen, dribbeln, Tore schießen. Der Fußball bescherte den Gästen ein Stück unbeschwerte Normalität. Bestanden Sprachbarrieren, dolmetschte ein ukrainischsprachiger Trainer.
Mehr als 6,8 Millionen Menschen aus der Ukraine befinden sich aktuell im Ausland auf der Flucht, 40 Prozent davon sind Kinder. Die meisten von ihnen haben traumatische Erlebnisse hinter sich. Selbst in Deutschland sind die Mädchen und Jungen über die Medien mit Bildern aus dem Krieg konfrontiert. Umso wichtiger ist es, ihnen mit Aktionen wie dem Besuch beim BVB eine kurze Auszeit zu schenken, in der sie ihre Sorgen und Ängste für einen Moment vergessen können.
Verbrennungsmotor oder Elektroantrieb? Beide Konzepte punkten auch jenseits reiner Zahlen, Daten und Fakten mit emotionalen Momenten und hohem Fahrspaßniveau. Das Duell der Kontrahenten läuft nahezu zwangsläufig auf ein Unentschieden hinaus.
Verbrennungsmotor
Ein Verbrennungsmotor wird nicht nur einfach gestartet, er wird vielmehr zum Leben erweckt. Im Leerlauf vibriert er dann mit leichtem Ruhepuls ein- und ausatmend neuen Aufgaben entgegen. Ein Gasstoß, und das begierige Brabbeln mutiert zum angriffslustigen Fauchen. Kein Zweifel, hier ist ein extrovertiertes Wesen am Werk, das gerne auch akustisch zeigt, was es kräfteseitig kann. Bei der Fahrt ergibt sich im Zusammenspiel des Motors mit den Gangstufen des Getriebes eine Symbiose, die in einer einzigartigen, ja sinnlichen Leistungsentfaltung mündet. Sie verläuft nicht mathematisch linear, sondern folgt eigenen Gesetzen; man spürt, dass sich Fachleute mit Benzin im Blut im komplexen Kurvengeflecht aus Leistung und Drehmoment an ein Optimum herangetastet haben. Nach getaner Arbeit beendet ein kurzer Druck auf den Aus-Knopf den Lebensreigen des Motorlaufs. Spritzufuhr und Zündung werden gekappt, eine letzte Kurbelwellenumdrehung, und nur noch das Tickern und Tackern des Abkühlens zeugt vom vorhergehenden Muskelspiel. Der Verbrennungsmotor mag im Vergleich mit anderen Antriebskonzepten ein Raubein alter Schule sein, aber eines mit Seele und Charakter. Ob Familienvan, Sportwagen, Schwerlast-Lkw, Baumaschine oder Ozeanriese auf großer Fahrt – am Verbrennungsmotor führt kein Weg vorbei. Das gilt insbesondere, wenn dauerhaft hohe Leistungen gefordert sind, etwa im industriellen Bereich, aber auch im Motorsport. Kneifen ist ein Fremdwort in seiner Welt, er ist als kräftiger Ausdauersportler unangefochtener Langstreckenmeister, während beim Elektroantrieb der viel zu teuren Batterie schon nach kurzem Sprint die Ladungspuste ausgeht. Reichweite ist beim Verbrennungsmotor einzig durch das Tankvolumen definiert.
Klassiker wie der Jaguar E-Type haben das Autodesign nachhaltig beeinflusst. Aufgrund seiner fließenden Linien, der langgezogenen Motorhaube und des eleganten Heckbereichs gilt das ikonische Coupé bis heute als eines der schönsten Autos aller Zeiten. (Fotos: Adobe Stock | patruflo, art_zzz, euthymia)
Dass Emissionstricksereien und Betrugsskandale dunkle Schatten auf seine Vergangenheit werfen, kann man ihm heute nicht mehr anlasten. Zumal er aus technischer Sicht zweifellos das Zeug zum Saubermann hat. Das Ziel der Entwickler sind „Zero Impact Emissions“, also Schadstoffe in einer Konzentration unterhalb der Nachweisgrenze. Die dazu notwendigen Abgasnachbehandlungssysteme sind schon heute am Markt verfügbar und müssen lediglich entsprechend dimensioniert und angepasst werden.
Bei den klimaschädlichen Kohlendioxiden hilft nur eine Defossilisierung durch alternative Kraftstoffe. Natürlich ist diese Idee nicht neu, schon Henry Ford wollte sein legendäres Model T eigentlich mit Biosprit betreiben. Diesen sollten die Farmer in den USA aus ihren Ernteabfällen erzeugen und am besten direkt am Straßenrand verkaufen. Wie wir wissen, kam es anders, weil die Ölindustrie den Markt sehr schnell mit einem großflächigen Tankstellennetz aufrollte.
Kritiker führen beim Stichwort alternative Kraftstoffe gerne einen Wirkungsgradnachteil bei der Erzeugung gegenüber der direkten Nutzung von Strom aus Wind- und Sonnenkraftwerken im Elektroauto ins Feld. Letztlich ist dieser Einwand müßig, denn wenn wir es ernst meinen mit den selbstgesteckten CO₂-Zielen in Deutschland und in der EU, werden wir ohnehin beide Energieformen parallel einsetzen müssen. Fakt ist, dass wir in Deutschland gar nicht so schnell Windräder, Solarpanels und Versorgungsleitungen in ausreichender Anzahl aufbauen können, wie wir sie für die großen Mengen alternativer Energien beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen benötigen. Von der unzureichenden Elektroauto-Marktdurchdringung ganz zu schweigen. Was spricht dann gegen den pragmatischen Ansatz, in bevölkerungsarmen, aber wind- und sonnenreichen Gebieten der Erde grüne Energie zu produzieren und zu importieren? Profitieren würden beide Parteien, den oftmals unterentwickelten Regionen täte ein Wirtschaftsschub gut und wir wären weniger vom Wohl und Wehe der Elektromobilität und seiner Haupt-Player in China abhängig. Auch würden wir unsere Wirtschaft nicht ganz so stark einbremsen. Ob der Preis der Kraftstoffe aus regenerativen Quellen wettbewerbsfähig gegenüber einer Direktverstromung heimischer Sonnen- und Windenergie ist, sollte statt am grünen Tisch doch besser durch die Kräfte des Marktes entschieden werden. Ein weiterer Pluspunkt von E-Fuels, also alternativen Kraftstoffen mit ähnlichen chemisch-physikalischen Eigenschaften wie Benzin oder Diesel, ist die Rückwärtskompatibilität mit den Fahrzeugen im Feld. E-Fuels können fossilen Kraftstoffen zugemischt oder sogar in Reinform getankt werden und machen jedes Fahrzeug der Bestandsflotte zum klimafreundlichen Ökomobil. Der Verbrennungsmotor ist noch lange kein Alteisen!
Elektroantrieb
Der batterieelektrische Antrieb lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Gas geben und Spaß haben! Die unübertroffene Leistungsentfaltung des Elektromotors, der sein Maximaldrehmoment ab der ersten Umdrehung bereitstellt, zusammen mit der direkten Kraftübertragung ohne leistungsfressende Anfahrkupplung und Zugkraftunterbrechung in den Schaltpausen führt zu einem Beschleunigungsvermögen, das einem unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Beim beherzten Tritt auf das Fahrpedal fühlt man sich im Elektroauto mitunter wie in einem Dragster, der auf der Viertelmeile seinen Konkurrenten im Beschleunigungsduell ausstechen will. Der triumphierende Blick gilt dem Tor auf der Nebenspur, der versucht, in seinem antiquierten Verbrenner Paroli zu bieten.
Während der Fahrer Glücksmomente im Überschwang genießt, übt sich der Elektroantrieb in kühler Zurückhaltung. Er ist zwar präsent, wird aber nie aufdringlich und lässt lieber Taten für sich sprechen. Statt Benzin fließen beim Elektroauto Elektronen. Plus und Minus, Kathode und Anode, Elektronen und Protonen, Ladung und Entladung – wer will einem Antrieb, dessen Wirkprinzip auf dem Ausgleich von Ladungen beruht, der also gewissermaßen die perfekte Harmonie anstrebt, etwas Besänftigendes absprechen, zumal in unserer heutigen polarisierten Welt? Denn wenn der Fahrer es wünscht, kann der Elektroantrieb auch anders. Man fährt behutsam, gleitet über die Straße und genießt die souveräne Kraftentfaltung. Da der Elektroantrieb nahezu lautlos arbeitet, bestimmen Fahr- und Windgeräusche sowie Nebenaggregate wie Lüftung, Servolenkung und Bremssystem die angenehm leise Geräuschkulisse. Das Auto wird zur Wellness-Oase, die mit weiteren Ausstattungsdetails wie Massagesitzen und Infotainmentfunktionen oftmals mehr Komfort als das heimische Wohnzimmer bietet. Der Schritt zum automatisierten Fahren, bei dem man sich durch einen elektronischen Autopiloten den Strapazen des Alltagsverkehrs vollständig entledigt, ist da nicht mehr weit. Zudem freut man sich, lokal CO₂-emissionsfrei unterwegs zu sein.
Der unerreichte Komfort des Elektroantriebs und die einfache Handhabung waren schon Treiber des ersten Elektroauto-Booms, der Ende des 19. Jahrhunderts seinen Anfang nahm. Im Jahr 1900 waren in den USA 40 Prozent des Fahrzeuggesamtbestands mit einem Elektroantrieb ausgerüstet, in New York betrug die Quote sogar 50 Prozent. Der Höhepunkt der Elektroautowelle wurde 1912 erreicht, danach ging es steil bergab, bis Elektroautos nur noch eine Randnotiz der Technikgeschichte waren. Nachdem die Elektromobilität das Rennen um die Krone der künftigen Antriebsevolution vor ein paar Jahren erneut aufgenommen hat, macht sie im Eiltempo Boden gegenüber dem Verbrennungsmotor gut und hat ihn an vielen Stellen schon überholt. Die Hebel für technische Weiterentwicklungen sind vielfältig. Beim Elektromotor stehen unter anderem Hochdrehzahlkonzepte, bessere thermische Wärmeableitung für höhere Dauerleistungen sowie allgemein Maßnahmen zur Effizienzsteigerung im Lastenheft. Das größte Innovationspotenzial bietet jedoch die Batterietechnik. Dabei wird die Schere bei der Batterieentwicklung künftig weiter aufgehen: Auf der einen Seite stehen preiswerte, aber relativ leistungsschwache Systeme für den Massenmarkt wie Lithium-Ferrophosphat- und Natrium-Ionen-Batterien, auf der anderen Seite High-tech-Lithium-Ionen-Batterien für hohe Leistungsanforderungen und ultraschnelles Laden. Dabei gilt die Feststoffbatterie als Maß der Dinge der nächsten oder übernächsten Speichergeneration. Auch müssen bei den Batterien noch dringend Probleme gelöst werden, die mit dem oftmals umweltschädlichen Abbau der Rohstoffe und den Arbeitsbedingungen in den Minen vor Ort sowie geopolitischen Spannungen mit den Exportländern zusammenhängen.
Auch wenn manche batteriebetriebenen Modelle wie der VW ID.Buzz oder der Renault R5 im retro-futuristischen Design Nostalgie aufleben lassen, wird sich die Masse an E-Autos künftig recht ähnlich sehen. Die Batteriestruktur im Boden bietet wenig Raum für Spielereien. (Fotos: iStock | tiero; Adobe Stock | Rattanachai, IM Imagery)
Das Auto von morgen fährt zweifellos elektrisch. Das wusste auch der Filmemacher Robert Zemeckis, der den DeLorean im Blockbuster „Zurück in die Zukunft“ vom findigen Doc Brown auf Elektroantrieb umbauen ließ, bevor er ihn auf Zeitreise schickte. Schon heute bieten Elektroautos lokal emissionsfreie Mobilität sowie ein hohes Maß an Fahrspaß und Komfort. Dank ständiger Weiterentwicklung werden sie bald alles noch besser können und preiswerter werden. Die Frage ist daher nicht, ob, sondern wann man einsteigt und in die elektrifizierte Zukunft startet. Bei Doc Brown war es 1985.
Autor
Richard Backhaus
ist Technikjournalist und beschäftigt sich schon seit mehr als 30 Jahren mit allen Themen rund um die künftige Mobilität.